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Liktor

Liktor

Liktoren (lat. lictores zu ligare, "binden") waren ursprünglich im Römischen Reich jene Diener, die den König als Leibwache schützen sollten, später Amtsdiener, die den höheren Staatsbeamten mit imperium (Konsuln, Prätoren, kaiserliche Legaten und Diktatoren) bei öffentlichen Auftritten voranschritten oder sie auch – vergleichbar den heutigen Leibwächtern – umringten. Diese Schutzfunktion stellte sich bald, vor allem bei Feldzügen, als zu schwach heraus, weshalb die extraordinarii mit dem Schutz beauftragt wurden. Aus der Verschmelzung der beiden Truppen entstanden schließlich die Prätorianer. Als Zeichen der Macht des von ihnen begleiteten Amtsträgers und des Römischen Reichs insgesamt trugen sie über der linken Schulter ein Rutenbündel, die sogenannten fasces, von denen sich der Begriff des Faschismus herleitet. Außerhalb der Stadt Rom wurde in dem Rutenbündel halb verborgen, aber erkennbar ein Beil mitgeführt. Den Brauch, staatliche Macht auf diese Weise öffentlich zu demonstrieren, haben die Römer wahrscheinlich von den Etruskern übernommen. Jedenfalls gibt es bereits in etruskischen Gräbern entsprechende Darstellungen. Der Auftritt römischer Machthaber in Begleitung von Beil und Rutenbündel tragenden Liktoren wurde besonders in eroberten Gebieten gepflegt, um durch das Vorzeigen dieser allseits bekannten Machtsymbole (insignia imperii) Eindruck zu machen. Die Zahl der einem Würdenträger vorausgehenden Liktoren signalisierte seinen Rang: Konsuln beispielsweise wurden von zwölf, Prätoren von sechs (innerhalb Roms von zwei) Liktoren begleitet. Einem Dictator standen 24 Liktoren zu. Da auch die römischen Kaiser über das imperium verfügten, standen ihnen, wie den frühen Königen und den Konsuln, zwölf Liktoren zu. Kaiser Domitian erhöhte ihre Zahl auf vierundzwanzig. Plebejische Magistrate hatten keinen derartigen Anspruch, jedoch dem Flamen Dialis (Priester des Iuppiter maximus) und den Vestalinnen ging ein Liktor voraus. Im 20. Jahrhundert wurde das Rutenbündel mit Beil zum Symbol des italienischen Faschismus. Der römische Brauch der Liktorenauftritte erscheint heute befremdlich. Das beruht darauf, dass sich die Formen der Staatsymbolik im Lauf der Zeiten verändert haben. In der Gegenwart wird staatliche Macht bei öffentlichen Auftritten durch Fahnen, Entourage, rote Teppiche und schwarze Luxuslimousinen symbolisiert. siehe auch: Portal und Themenliste Rom Kategorie:Römisches Amt

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
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„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

Römisches Reich

Das Römische Reich (lateinisch: Imperium Romanum) war das von der Stadt Rom beherrschte Gebiet in der Zeit zwischen etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch weder zur vorrömischen Epoche noch zum Byzantinischen Reich möglich. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung, zu Zeiten Kaiser Trajans, erstreckte sich das Römische Reich über die Gebiete rund um das Mittelmeer, über Gallien und große Teile Britanniens und über die Gebiete rund um das Schwarze Meer (siehe auch Bosporanisches Reich). Das Römische Reich übte einen großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete, aber auch auf die Gebiete jenseits seiner Grenzen aus. In der östlichen Reichshälfte mischte sich dieser Einfluss mit griechisch-hellenistischen und orientalischen Elementen, während der Westen latinisiert wurde. Latein, die Sprache Roms, wurde zur Amtssprache des Reiches, in Teilen des Reichs blieben aber auch andere Sprachen erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden die modernen romanischen Sprachen Europas (Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch, sowie Ladinisch und Rätoromanisch). Sehr viele Lehnwörter finden sich zudem in den germanischen und in den slawischen Sprachen. Vor allem das Rechts- und Staatswesen in Europa ist maßgeblich vom römischen Erbe geprägt.

Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des Römischen Reiches lässt sich grob in folgende sechs Phasen gliedern, die im Verlauf dieses Artikels genauer beschrieben werden; zu Details siehe die entsprechenden Verweise im Artikel (Beispiel: Prinzipat): # Königszeit (753 v. Chr.510 v. Chr.) # Die Zeit der Republik (509 v. Chr.133 v. Chr.) # Zeit der Bürgerkriege (ab 133 v. Chr.) # Prinzipat (Römische Kaiserzeit I, ab 27 v. Chr.) # Spätantike, in der älteren Forschung auch Dominat (Römische Kaiserzeit II, ab 284 n. Chr.) # Untergang des Reiches im Westen und Übergang zum Byzantinischen Reich im Osten (ab 395 n. Chr., noch zur Spätantike zu rechnen)

Römische Königszeit und frühe Republik

395 n. Chr.]] Der Stadtstaat Rom, der zuerst unter etruskischer Königsherrschaft stand (Königszeit), gewann in Italien zunehmend an Einfluss, nachdem er sich ca. 500 v. Chr. von der Herrschaft der Etrusker gelöst hatte. Zu dieser Zeit erfolgte ebenfalls die Umwandlung des ehemaligen Königreiches in die Römische Republik (Republik = res publika, die öffentliche Sache), während derer alljährlich zwei Konsuln die oberste Regierungsgewalt ausübten. Der letzte aller römischen resp. etruskischen Könige, Tarquinius Superbus (Tarquinius der Hochmütige), wurde vom römischen Volk unter der Führung von Lucius Iunius Brutus aus Rom vertrieben, weil er eine Römerin namens Lucretia geschändet hatte. Das Jahr 509 v. Chr. ist jedoch spätere Fiktion, die als Parallele zum Sturz der Peisistratiden in Athen um 510 v. Chr. gesehen werden kann. Wahrscheinlicher ist die Zeit um 475 v. Chr. Als ersten, einigermaßen festen Punkt in der römischen Geschichte kann man die Niederlegung des Zwölftafelgesetzes 451 v. Chr. sehen.
Über die römische Königszeit existieren verschiedene berühmte Legenden, die die römische Geschichte mit der Geschichte Trojas zu verknüpfen versuchen. Diese entstanden jedoch erst Jahrhunderte später. Rom begann mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften (v.a. der Galliersturm von 387 v. Chr., der psychologisch seine Spuren hinterlassen sollte, sowie mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme). Es folgen die Samnitenkriege (1. 343-341 v. Chr.; 2. 327-304 v. Chr.; 3. 298-290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340-338 v. Chr.). Rom etabliert schließlich ein weitverzweigtes Bündnissystem. So wurden Kolonien an strategisch wichtigen Plätzen angelegt und Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen geschlossen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten.

Der Aufstieg Roms - Expansion in Italien und im Mittelmeerraum

Im 3. Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom gegen die Samniten und andere italische Stämme durch. Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Im Süden verleibte sich die Republik um 275 v. Chr. die dortigen griechischen Stadtstaaten ein, nachdem es gelungen war, den hellenistischen Condottiere Pyrrhos von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesonnenen Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte. Im Ersten Punischen Krieg (264-241 v. Chr.) dehnte sich Rom nach vorherigen Spannungen auf Sizilien bis in karthagische Gebiete aus. Nachdem Karthago, solcherart provoziert, die Römer von See aus angegriffen und geschlagen hatte, baute Rom eine Flotte auf, um der Seemacht Karthago entgegentreten zu können. Nach mehreren Rückschlägen und wechselhaftem Kriegsglück gelang es Rom schließlich, besonders auf Sizilien Fuß zu fassen und die karthagische Flotte mehrmals zu schlagen. Karthago verlor fast alle seine sizilianischen Besitzungen und sann fortan auf Rache. Im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) gelang es dem genialen Strategen Hannibal beinahe, Rom in die Knie zu zwingen. Besonders die Niederlage bei Cannae (216 v. Chr.) schmerzte, die schwerste Niederlage in der römischen Geschichte, doch gelang es Hannibal nicht, das Bündnissystem Roms in Italien zu zerstören. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte. Es war als Machtfaktor endgültig ausgeschaltet, während Rom mit seiner neuen Provinz Hispanien zunehmend an Einfluss gewann. Der Sieg über Karthago im 1. und 2. Punischen Krieg sicherte Roms Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer. In diese Zeit, genauer gesagt in die Zeit ab 200 v. Chr., fiel auch die Einmischung Roms in das Machtspiel der hellenistischen Großreiche. Dort waren die Großmächte nicht in der Lage gewesen, ein friedliches Zusammenleben zu erreichen. Es folgten Konflikte mit den Antigoniden, wobei Rom 200-197 v. Chr. in Griechenland intervenierte, um den makedonischen Einfluss zurück zu drängen. Auch gegen das hellenistische Seleukidenreich führte Rom Krieg. Auf ein Hilfegesuch hin kam es 192-188 v. Chr. zum Krieg gegen Antiochos III., in welchem Rom siegreich blieb. Antiochos musste auf einen Großteil seiner Besitzungen in Kleinasien verzichten. Rom wurde damit zur De-facto-Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. Versuche Makedoniens, die alte Hegemonie wieder aufzurichten, führten zum Krieg. 168 v. Chr. wurden die Makedonen endgültig besiegt und ihr Königreich zerschlagen, 148 v. Chr. schließlich in eine römische Provinz umgewandelt. So erging es 146 v. Chr. auch Griechenland (ab 27 v. Chr. Provinz Achaea, vorher zu Makedonien) und der neuen römischen Provinz Africa nach der Zerstörung Karthagos, welches vor dem Dritten Punischen Krieg (150-146 v. Chr.) wieder an Macht gewonnen hatte. Pergamon wurde durch Erbvertrag 133 v. Chr. zur römischen Provinz. Gleichen Status erhielt 64/63 v. Chr. das Restreich der Seleukiden, das nicht mehr lebensfähig war und von Pompeius, der eine Neuordnung des Ostens vornahm, zur Provinz Syria gemacht wurde. Nur das schwächelnde Ägypten der Ptolemäer, welches zu einem römischen Protektorat wurde, behielt seine Unabhängigkeit, ehe es im Jahre 30 v. Chr. ebenfalls im Römischen Reich aufging. So glänzend auch die außenpolitischen Erfolge Roms gewesen waren – im Inneren erodierte allmählich die republikanische Ordnung.

Die Revolutionszeit und die Bürgerkriege

Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die schließlich in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform enden sollte. Hintergrund war zunächst der Ruf nach Reformen, vor allem im Agrarbereich. So sollte die nach den Brüdern Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus benannte Gracchische Reform die Grundbesitzverhältnisse reformieren und den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu Land und Einkommen verhelfen. Die Reform scheiterte allerdings am Widerstand der konservativen Senatskreise, der zugrundeliegende Konflikt blieb weiter bestehen: die Popularen und Optimaten bekämpften sich gegenseitig, um ihre jeweilige Politik durchzusetzen. Auch machten sich innere Spannungen im Bündnissystem Roms bemerkbar, sodass es 91-89 v. Chr. zum so genannten Bundesgenossenkrieg kam. Am Ende wurde das römische Bürgerrecht auch den Bundesgenossen verliehen. Im Anschluss daran kam es 88 v. Chr. zur berüchtigten "Vesper von Ephesus": Nach der Ermordung Zehntausender römischer Siedler in Kleinasien zog Rom in den Krieg gegen Mithridates von Pontos und besiegte ihn nach mehrjährigen Kämpfen. Pontos Diesen Ereignissen folgte der Beginn des römischen Bürgerkriegs, in dem sich wieder Popularen und Optimaten gegenüber standen (Marius, Cinna, Sulla). Sulla blieb siegreich und errichtete die Diktatur, doch hatte diese Lösung keinen wirklichen Bestand, zumal Sulla bald zurücktrat und die alten Kräfte sich wieder bekämpften. Die Krise der Republik wurde durch das (erste) Triumvirat verdeutlicht: der ehrgeizige Gaius Iulius Caesar, der erfolgreiche Militär Gnaeus Pompeius Magnus und der reiche Crassus gingen ein informelles Bündnis ein, um sich in ihren jeweiligen Interessen zu unterstützen. Nach dem Tod des Crassus in einem Feldzug gegen die Parther rangen die einstigen Freunde Caesar und Pompeius um die Macht im Staat (49-46 v. Chr.), wobei sich Pompeius auf die Seite des Senats stellte. Caesar obsiegte. Nur durch seine Ermordung wurde verhindert, dass sich die Republik in eine Diktatur verwandeln konnte. Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. gelang es den Anhängern der Republik nicht, die alte republikanische Verfassung wiederherzustellen. In dem Bürgerkrieg, der nun wieder ausbrach, setzte sich schließlich Octavian, der spätere „Augustus“, gegen Marcus Antonius in der Schlacht bei Actium als Sieger durch (31 v. Chr.).

Die frühe und hohe Kaiserzeit (Prinzipat)

Prinzipat Octavian zielte wie Caesar auf eine Alleinherrschaft. Doch anders als Caesar versuchte Octavian dieses Ziel nicht durch das Mittel einer außerordentlichen Diktatur zu erreichen. Octavian ließ vielmehr die alte republikanische Verfassung formal in Kraft und sicherte seine Position durch die Übernahme verschiedener Ämter, vor allem durch die Übernahme eines mehrjährigen Kommandos über wichtige Legionen. Den alten senatorischen Adel konnte Octavian zu einer Anerkennung seiner Herrschaft bewegen. Der Senat sah in Octavian keinen König, sondern den "Ersten Bürger des Staates" (Princeps). Die von Octavian begründete Verfassung, die sich in wesentlichen Punkten von der alten republikanischen Verfassung unterscheidet, nennt man deshalb auch Prinzipat. Octavian selbst erhielt im Jahre 27 v. Chr. vom Senat den Titel „Augustus“ (der Erhabene). Das Imperium Romanum beherrschte zu diesem Zeitpunkt bereits den gesamten Mittelmeerraum. Auch der Westen und Süden Germaniens gehörte zum römischen Reich; die Expansion nach Nordosten, die unter Augustus eingeleitet worden war, wurde erst durch die Varusschlacht im Jahre 9 gestoppt. Augustus' Adoptivsohn und Nachfolger Tiberius beschränkte sich auf weitgehend defensive Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen. Unter Claudius wurde einzig Britannien dem Reich hinzugefügt, später folgte noch Thrakien, das aber schon vorher ein von Rom abhängiger Klientelstaat gewesen war. Mit dem Tod des als unfähig und wahnsinnig geltenden Nero, der vor allem das Militär vernachlässigte, endete 68 das julisch-claudische Haus. Dessen Nachfolge traten nach den Wirren des Vierkaiserjahres die insgesamt erfolgreich regierenden Flavier an, wobei Vespasian im Jahre 70 einen Aufstand in Judäa durch seinen Sohn und späteren Nachfolger Titus niederschlagen ließ. Nach Titus´ nur kurzer Regierungszeit trat sein Bruder Domitian seine Nachfolge an. 96 brachte diesen eine Hofintrige zu Fall - es kam zu einer Krisenzeit, welche erst unter den so genannten Adoptivkaisern überwunden werden konnte. Die Zeit der Adoptivkaiser, die mit Nerva begann, wird allgemein als die Glanzzeit des Imperiums verstanden, sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Machtstellung Roms. Seine größte Ausdehnung hatte das Römische Reich denn auch unter Kaiser Trajan im Jahre 117 erreicht, wobei Trajan, der als erster Kaiser aus den Provinzen stammte, als optimus princeps gefeiert wurde, als "bester Kaiser". Das Imperium erstreckte sich nun von Schottland bis Nubien in Nord-Süd-Richtung und von Portugal bis nach Mesopotamien in West-Ost-Ausrichtung. Unter dem gebildeten Hadrian, der die östlichen Eroberungen Trajans aufgab, kommt es nun zu einer inneren Konsolidierung des Reiches und zu einer zivilisatorischen, kulturellen und technischen Blüte, die die Ausbreitung des damals noch jungen, schon stark angewachsenen Christentums begünstigte. Christentum Um die Mitte des 2. Jahrhunderts schien das Imperium auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein, doch traten unter Mark Aurel bereits die ersten Probleme auf (Kämpfe mit Germanen, besonders den Markomannen, und im Osten Kämpfe mit den Parthern). Das Reich kam in den folgenden Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Von außen wurde es kriegerisch bedrängt, während im Inneren sich Zerfallserscheinungen bemerkbar machten. Nach dem Tod Marc Aurels, der gerade im Bereich der nördlichen Grenze nur vorläufige Erfolge verbuchen konnte, kam es zu einer Reihe von Krisenereignissen, zudem sein Sohn Commodus nicht in der Lage war, dem Reich Sicherheit zu geben. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts konnten die Severer die Lage stabilisieren. Jetzt kam es vor allem an der Ostgrenze zu schweren Kämpfen mit dem Neupersischen Reich der Sassaniden, die sich Rom als gewachsen erwiesen und den römischen Heeren eine Reihe von Niederlagen bereiten sollten. Es folgte nach dem eher unrühmlichen Ende der Severer die Reichskrise des 3. Jahrhunderts, in welcher sich die Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der Sassaniden im Osten ausgesetzt sahen. Es kam sogar zur Abspaltung einzelner Provinzen (besonders Galliens), die aber wieder rückgängig gemacht werden konnten. 272 wurde Palmyra unterworfen, das in der Krisenzeit des Imperiums Teile der östlichen Provinzen Roms erobert hatte.

Die späte Kaiserzeit und der Beginn der Spätantike

Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war und die keineswegs die reine Zerfallszeit war, wie noch die ältere Forschung weitgehend meinte. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die so genannte Ordnung der Tetrarchie, wonach es zwei Senior-Kaiser (Augusti) und jeweils einen Junior-Kaiser (Caesar; pl.: Caesares) geben sollte. Denn für einen Kaiser alleine war das Imperium schon längst unregierbar geworden, besonders da der Druck auf die Grenzen ständig anwuchs. Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. In dieser Zeit wurde die Hauptstadt von Rom nach Trier, an die nördlichen Grenzen verlegt. Die letzten Christenverfolgungen fanden unter Diokletian statt. Konstantin der Große, dessen Vater nach dem Rücktritt Diokletians und dessen Mitkaiser Maximian das Amt des "Senior-Augustus" im Westen übernahm, gab sich damit nicht zufrieden. Er beseitigte nach und nach seine Rivalen und etablierte 324 die Alleinherrschaft über das Imperium. Bedeutend wurde seine Regierungszeit vor allem aus zwei Gründen: 1) der Privilegierung des Christentums und 2) der Gründung von Konstantinopel. Der Blick des Reiches wandte sich mehr und mehr gegen Osten. Konstantins Dynastie überlebte ihn nicht lange. Es folgten zunächst Bruderkämpfe, bis Constantius II. die Alleinherrschaft erlangte. Nach seinem Tod kam es 361 unter seinem Nachfolger Julian Apostata zu einer "Renaissance" des Heidentums, die aber nicht von langer Dauer war. Mit Julian erlosch 363 die konstantinische Dynastie. Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius I. endgültig geteilt. Theodosius war nach dem Tod des Valens von Valentinians Sohn Gratian als Kaiser im Osten eingesetzt worden. Es gelang ihm nach der Niederlage von Adrianopel, die eingedrungenen Goten durch Verträge wenigstens vorläufig zu binden. 394 wurde Theodosius schließlich Alleinherrscher, nachdem es im Westen zu einer Reihe von Usurpationen und Revolten gekommen war; er war der letzte Kaiser, der über das gesamte Imperium herrschen sollte. Nach seinem Tod 395 kam es unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) zur Reichsteilung, die von da an endgültig sein sollte.

Untergang des Reiches im Westen und Behauptung im Osten

Arcadius Das Oströmische Reich überlebte die Wirren der Völkerwanderung, vor allem, da es der ökonomisch gesündere und dichter bevölkerte Reichsteil war. Im Laufe des 5. Jahrhunderts zerfiel allmählich das Römische Reich im Westen. Eine wichtige Ursache dabei bildete die Völkerwanderung. Das Reich verlor nach der Schlacht von Adrianopel 378 zunehmend die Kontrolle über seine westlichen Provinzen. Große Teile Galliens und Spaniens gingen bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts an die eingedrungenen Germanen (Vandalen, Franken, Goten) verloren. Vor allem der Verlust Africas an die Vandalen 435 war ein schwerer Schlag für Westrom. Der Regierungssitz war bereits um die Jahrhundertwende von Mailand nach Ravenna verlegt worden. Und selbst Italien geriet immer mehr unter den Einfluss der Germanen. 410 plünderten die Westgoten die Stadt Rom, 455 folgten ihnen darin die Vandalen (daher der Ausdruck "Vandalismus"). Es gab mehrere Gründe für den Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Welche Prozesse letztlich zur Transformation des weströmischen Reiches in eine Reihe von germanischen Staaten führten, die spätestens seit dem 7. Jahrhundert als souverän gelten konnten, ist seit langem Gegenstand der Forschungsdiskussion. So bestand das Heer zum größten Teil nicht mehr aus römischen Bürgern, sondern aus "barbarischen" Söldnern. Die Stärke der Armee reichte zudem nicht mehr aus, um die Grenzen zu sichern. Im Inneren war die Verwaltung marode geworden, auch ein wirtschaftlicher Niedergang ist festzustellen, wenn auch nicht so dramatisch, wie noch die ältere Forschung meinte. 476 setzte der Germane Odoaker Romulus Augustulus als weströmischen Kaiser ab (letzter anerkannter Westkaiser war allerdings Julius Nepos gewesen). Odoaker sah sich selbst noch als einen "Germanen in römischen Diensten" und seine Herrschaft in Italien als Teil des Imperium Romanum unter dem römischen Kaiser in Konstantinopel. Anders war die Lage im Osten. Dies war der "gesündere" Reichsteil, der zudem über die größeren strategischen Reserven verfügte und auch die geschicktere Diplomatie betrieb. Zudem war es Hunnen und Germanen nie gelungen, den Hellespont zu überqueren; daher blieben die reichen Provinzen Kleinasiens, Syriens und Ägyptens weitgehend unbehelligt. Die "barbarischen" Elemente in der Armee, die mit zum Untergang Westroms beigetragen hatten, wurden noch im 5. Jahrhundert zurückgedrängt und zu Beginn des 6. Jahrhunderts zum größten Teil ausgeschaltet. Obzwar es zu schweren Kämpfen mit Hunnen und Sassaniden kam, blieb das Ostreich intakt. Unter Justinian I., dem letzten Kaiser, dessen Muttersprache Latein war, konnten die Oströmer große Teile des Westens (Nordafrika, Italien, Südspanien) zurückerobern, während sie im Orient unter großen Anstrengungen die Grenzen gegen die Perser halten konnten. Damit war der (ost)römische Kaiser noch einmal der mit Abstand mächtigste Herrscher im Mittelmeerraum, und Ostrom beherrschte den größten Teil des alten Reichsgebietes (mit Ausnahme Britanniens, Galliens und Nordspaniens). Die Wende kam Anfang des 7. Jahrhunderts, als zunächst weite Teile des Reiches zeitweilig von den Sassaniden erobert wurden. Nachdem Kaiser Herakleios den langen Krieg schließlich siegreich beendet hatte, konnte das erschöpfte Reich dem Angriff der islamischen Araber (arabische Expansion) kaum widerstehen und verlor ganz Syrien und Afrika. Herakleios brach außerdem mit der römischen Tradition, indem er statt des Titels Imperator den alten griechischen Königstitel Basileus annahm und Griechisch auch zur offiziellen Amtssprache machte. Das Oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel blieb dann zwar staatsrechtlich noch bis in das 15. Jahrhundert erhalten - und die Griechen bezeichnen sich noch heute volkstümlich auch als romoi, also Römer, aber die inneren Strukturen veränderten sich nach etwa 640 so grundlegend, dass es gerechtfertigt erscheint, von nun an von Byzanz zu sprechen. Siehe auch:
- Römische Republik
- Prinzipat
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Der Untergang des Römischen Reiches
- Byzantinisches Reich
- Weströmisches Reich
- Liste der römischen Kaiser

Nachfolger

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das Nord- und Mittelitalien, die Niederlande, Belgien, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Teile Frankreichs (Elsass, Lothringen, Provence), Luxemburg und Deutschland umfasste, sah sich später als Nachfolger des (west)römischen Reiches, während der russische Zar über das byzantinische Erbe ebenfalls die Nachfolge der römischen Kaiserkrone beanspruchte - die Begriffe Kaiser und Zar leiten sich beide aus dem römischen Caesar ab.

Siehe auch


- Portal und Themenliste Rom
- Ab urbe condita
- Auxiliartruppen
- Esskultur im Römischen Reich,
- Feuerwehren im Römischen Reich
- Germanisierung
- Kataphrakt
- Liste der römischen Kaiser
- Liste der römischen Könige
- Liste der römischen Konsuln
- Romanen
- Römische Bautechnik
- Römische Bestattungsrituale
- Römische Ehe
- Römische Erziehung
- Römische Kaiserzeit
- Spätantike
- Sprachen im Römischen Reich
- Römische Legion
- Römische Marine
- Römische Mythologie
- Römische Namen
- Römische Provinz
- Römische Republik
- Römischer Senat
- Römisches Recht
- Römische Vornamen
- Römische Ziffern
- S.P.Q.R.
- Tierhetzen im Römischen Reich

Literatur

Allgemein (neben Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 2-4 und vor allem der Cambridge Ancient History, 2. veränderte Aufl. ab Bd. 7, Teilband 2, The Rise of Rome to 220 B.C.):
- Alfred Heuß: Römische Geschichte. Schöningh, 2003, ISBN 3506739271 Bester (wenn auch manchmal recht knapper) Überblick zur römischen Geschichte in deutscher Sprache.
- Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Deutscher Taschenbuchverlag, 2001, ISBN 3423590556 Geschichte Roms bis zur Ermordung Cäsars, für die Theodor Mommsen 1902 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Wissenschaftlich allerdings vollkommen veraltet.
- Ada Gabucci: Rom und sein Imperium Sehr reich bebilderte Geschichte über die Gründung, Ausbreitung und Herrschaft. Konrad Theiss Verlag, 2005, ISBN 380621932X Spezialisiertere Literatur:
- Hermann Bengtson: Grundriss der Römischen Geschichte mit Quellenkunde. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr.. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 5, München 1982, ISBN 3-406-08617-9
- Klaus Bringmann: Geschichte der Römischen Republik. München 2002, ISBN 3406492924 Solide und zuverlässige Darstellung der Republik.
- Karl Christ: Geschichte der Römischen Kaiserzeit, 4. Auflage. München 2002, ISBN 3406363164 Hervorragende moderne Darstellung der Kaiserzeit bis Konstantin. Standardwerk.
- David S. Potter: The Roman Empire at bay. AD 180-395. Routledge History of the Ancient World, London u.a. 2004. ISBN 0-415-10058-5 Sehr gute Gesamtdarstellung der Zeit von 180 bis 395.
- Glen Bowersock u.a.: Late Antiquity. A guide to the postclassical World. Cambridge 1999, ISBN 0674511735. Ausgezeichneter, gut lesbarer Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Spätantike mit einem nützlichen Lexikonteil.
- Alexander Demandt: Die Spätantike. Handbuch der Altertumswissenschaft III. 6, München 1989, Gutes Überblickswerk. (nur noch antiquarisch, 2. Auflage in Vorbereitung; aber als inhaltlich gekürzte Ausgabe ohne wissenschaftlichen Apparat erhältlich: Geschichte der Spätantike. München 1998, ISBN 3-406-44107-6)
- Arnold H.M. Jones: The Later Roman Empire 284-602. (Erstdruck in 3 Bde., Oxford 1964) Nachdruck in 2 Bde., Baltimore 1986 Die beste aus den Quellen gearbeitete moderne Darstellung der Spätantike Alternative Darstellungen:
- Arthur Rosenberg: Demokratie und Klassenkampf im Altertum. Fritz Erik Hoevels: Roter Leitfaden durch die römische Geschichte. Ahriman-Verlag 1997. ISBN 3-89484-810-3. Die beiden Altphilologen und Marxisten Rosenberg und Hoevels bieten eine kompakte Übersicht über die Geschichte des römischen Reiches und untersuchen die Triebfedern und Gesetzmäßigkeiten ihres Ablaufes - umstritten, wie alles aus marxistischer Feder.

Weblinks


- [http://la.wikipedia.org Die lateinische Wikipedia]
- [http://www.kirke.hu-berlin.de/vl/vlagdt.html#roem Virtual Library Geschichte - Einzelprojekte: Die Römer in Deutschland] (Ressourcen im Internet)
- [http://www.roman-emperors.org/impindex.htm De Imperatoribus Romanis - Sammlung von Kurzbiografien der römischen Kaiser, verfasst von mehreren Fachgelehrten (englisch)]
- [http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/home.html LacusCurtius (Umfangreiche Informationen über das antike Rom)]
- [http://gutenberg.spiegel.de/mommsen/roemisch/roemisch.htm Theodor Mommsens Römische Geschichte im Projekt Gutenberg]
- [http://www.imperiumromanum.com Projekt Imperium Romanum: Darstellung der römischen Welt auf über 1000 Seiten]
- [http://www.die-roemer-online.de/ Die Römer online]
- [http://www.gottwein.de/roge/rom_hist.php Römische Geschichte in annalistischer Darstellung]
- [http://www.imperium-romanum.ch.vu Imperium Romanum: ausführliche Seite zur römischen Geschichte]
- [http://www.antikefan.de/kulturen/Roemisch.html Geschichte des Römischen Imperium] Romisches Reich ! Romisches Reich als:Römisches Reich ja:ローマ帝国 ko:로마 제국 simple:Roman Empire zh-min-nan:Roma Tè-kok

Diener

Ein Diener ist im herkömmlichen Sinne ein Mitglied des Hausgesindes, also ein abhängig Arbeitender, der gegenüber seinem Arbeitgeber oder Dienstherrn bestimmte häusliche Pflichten hat, die dieser nicht ausüben kann bzw. möchte. Dazu gehören das Vorlegen, Säubern und Bügeln der Kleidung, Rasur, Frisur, Maniküre, der Einkauf sowie diverse Botengänge. Insgesamt alles Tätigkeiten, die vom höherstehenden Subjekt als "nicht standesgemäß" eingestuft werden. Seit den Zeiten der ersten Früh- und Hochkulturen hat es Hausdiener gegeben, die in der Regel im Abhängigkeitsverhältnis der Sklaverei untergeordnet waren, allerdings auch den sozialen Aufstieg als Freigelassene erlangen konnten. Ein gewisses Vertrautheits- oder Vertrauensverhältnis und die Einhaltung zeremonieller, höfischer Etikette haben dabei stets eine große Rolle gespielt. Seit der Neuzeit weitgehend in ein Lohnverhältnis umgewandelt, änderte sich an den positiven Aspekten des Dienstverhältnis nicht mehr viel. Das Sprichwort "der Diener seines Herrn" beschreibt jedoch immer noch die zum Teil sklavische Verbundenheit bzw. das Unterwürfigkeitsgepräge. In der komischen Oper (zum Beispiel Der Barbier von Sevilla) oder der italienischen Komödie (etwa Der Diener zweier Herren) spielen die Diener häufig den komischen, karikierenden Gegenpart zu ihren Herren. Im Theater kehrt er als bevormundender Butler die Verhältnisse auf den Kopf.

Literatur


- Heese, Thorsten: Von Mohren und Menschen : der afrikanische Diener der Äbtissin Johanna Charlotte, In: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 1997 (1996, S. 67-78.

Weblinks


- [http://www.pagendarm.de/geschichte/pagendarm/pag.10.html Sozialer Aufstieg am Beispiel des Johannes Busse genannt Pagendarm]

Siehe auch


- Dienstbote, Lakai, Leibeigener, Knecht, Sklave
- Dienst, Dienstvertrag
- Stummer Diener Kategorie:Dienstleistungsberuf

König

Der Titel König ist vom Wort kon oder konr abgeleitet, welches generosus und vornehm bedeutet. Der Begriff hat also nichts mit der Funktion zu tun, sondern mit dem Status der Familie. Der König ist also zunächst ein Mann aus vornehmer Familie. Damit korrespondiert lat. genus, ahd. kuni und mhd küne, was soviel wie 'Geschlecht, Dynstie, Familie, Stamm' bedeutet. Der König ist wortwörtlich jemand, der von einer bestimmten (zur Herrschaft vorrangig qualifizierten) Familie abstammt. Später bezeichnet der Königstitel den nach dem des Kaisers höchsten monarchischen Würdenträger eines souveränen Staates. Im Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit war der König in der Regel höchster Souverän seines Landes: Oberhaupt der Regierung, oberster Richter und Gesetzgeber in einer Person. Darüber hinaus nahm er in manchen Staaten – beispielsweise in England – die Funktion eines geistlichen Oberhaupts wahr. In modernen Monarchien ist der König meist Staatsoberhaupt mit repräsentativen und zeremoniellen Aufgaben.

König bei den Wikingern

Allgemeines

In den Quellen werden eine ganze Reihe verschiedener Arten von Königen aufgeführt: Könige, Kleinkönige, Heerkönige und Seekönige. Letztere besaßen kein Herrschaftsgebiet. Die Quellen der frühen Zeit schweigen sich über Stellung und Funktion des Königs aus. Auch weiß man nicht, wie man ursprünglich König wurde. Allerdings spricht viel dafür, dass am Anfang ein Wahlkönigtum bestanden hat. Es spricht viel dafür, dass immer Personen aus den vornehmsten Familien und schließlich der Familie des Vorgängers zur Wahl standen, so dass sich allmählich ein Erbkönigtum entwickelte. Bei diesem Vorgang spielte neben der Schaffung eines Zentralkönigtums durch Harald Hårfagre die Kirche eine besondere Rolle, indem sie König Olav Haraldsson zum Heiligen erklärte, der sein göttlich legitimiertes Königsheil auf seine Nachkommen überträgt. Harald Hårfagre stammte von einem Kleinkönig ab, konnte aber ein Oberkönig werden. Es ist unbekannt, ob diese Könige ihr Königtum auf den Familienstamm oder auf ihre militärische Stärke gründeten. Harald jedenfalls baute vor allem auf seine Militärmacht. Die war aufwendig zu unterhalten, weshalb er in großem Umfang Bauern enteignete. Torbjørn Hornklove dichtet über Harald:
:Ich glaube, Du kennst den König / der auf den Schiffen wohnt / der Herr der Nordmänner / Gebieter über tiefe Schiffe / mit blutbespritzten Spanten / und roten Schilden, / geteerte Ruder / und ein Zelt aus Gischt.
Das ist die Beschreibung eines typischen Wikingerkönigs. Offenbar hatten fremde Vorbilder ihn dazu gebracht, dass er eine andere Art von König sein wollte. So könnte auch an ein Gerichtskönigtum gedacht gewesen sein. Torbjørn Hornklove bezeichnet in der Glymdrápa Haralds Gegner als hlennar = Diebe, was ein Hinweis auf den Versuch, Recht und Ordnung durchzusetzen, gedeutet werden könnte. Der Ausdruck wird aber eher nur eine Herabsetzung der Feinde bedeuten. Der König hatte eine große Zahl an Schiffen und Mannschaften zu unterhalten. Dazu benötigte er verschiedene Arten von Einkünften. Eine davon waren die Königshöfe, die an der Küste aufgereiht waren und aus Enteignungen stammten. Diese Stellen zahlten ihre "Steuer" dadurch, dass sie den König mit Mannschaft für eine gewisse Zeit mit Kost und Logis beherbergten. Es handelte sich also um ein Reisekönigtum. Das entspricht ganz der Art, wie die übrigen Wikingkönige z.B. in Irland vorgingen. Der Vorteil der Bauern war, dass der König andere Räuber fernhielt, so dass die Belastung auf viele Bauern verteilt überschaubar war. Die Funktion des Königs beschränkte sich auf die Vertretung des Gesamtstaates nach außen, auf das Heerwesen und die Verwaltung, soweit sie für die Gesamtheit erforderlich war.

Andere Königsdefinitionen

Der Kleinkönig war eher ein Häuptling in einem eng begrenzten Raum, der daher nicht umherzog, sondern seine Einnahmen an seinen Sitz angeliefert bekam. Der Unterkönig, auch Skattkönig (Steuerkönig) genannt, war ein mediatisierter König, der zwar in seinem Machtbereich weitgehende Souveränität besaß, aber einen Oberkönig anerkennen musste, dem er abgabepflichtig war und der die Reichseinheit wahrte und für die Gesamtverteidigung zuständig war. Der Heerkönig und der Seekönig waren eigentlich Feldherren in unserem Sinne. Sie sammelten Schiffe und Mannschaft um sich und zogen zu Plünderungszügen aus. Sie waren aber an bestimmte Regeln in ihrer Befehlsgewalt gebunden. Insbesondere gab es ungeschriebene Gesetze über die Verteilung der Beute, an die sie sich zu halten hatten. Das galt übrigens auch für die fränkischen Könige in der frühen Zeit. Der Heerkönig war während der Völkerwanderungszeit gleichzeitig Identifikationsfigur. Die germanischen gentes sind nach heutiger Ansicht durchaus multiethnisch gewesen. Sie erhielten ihre Identität durch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Heerkönig und dessen Familie, an deren Seite sie kämpften und deren Traditionen sie übernahmen. Die frühmittelalterliche ethnische Terminologie ist nicht kulturell, linguistisch oder geographisch, sondern militärisch und politisch. Die Ethnie war also nicht eine objektive Kategorie mit einer präzisen Definition, sondern ein subjektiver Prozess, durch den sich die Individuen selbst und auch die anderen definierten, und zwar in bestimmten Situationen, besonders im Zusammenhang mit Konflikt und Krieg. Die ethnischen Gruppen veränderten sich daher schnell und definierten sich auch um und zwar mit verblüffender Schnelligkeit. Alle diese Königsbezeichnungen dürften sekundär und erst in der Wikingerzeit entstanden sein, also im 8. Jh. Der Begriff "König" für einen Herrscher in einem Gebiet ist aber offenbar älter. Wahrscheinlich haben Söhne von Königen, die zum Wikingern auszogen, den Königstitel für ihre Heerfahrt angenommen.

Thronfolgeregelungen

Sobald der Königstitel erblich geworden war, waren offenbar seine männlichen Nachkommen gleichberechtigt zur Nachfolge berufen, entweder, indem sie gemeinsam regierten oder das Reich teilten oder indem einer die Regierung allein übernahm, der andere mit Vermögen abgefunden wurde. Die Mündigkeit zur Herrschaft wird allgemein auf das 12. Lebensjahr angesetzt. Das Königtum war Eigentum und Erbgut des regierenden Hauses. Im Norwegen des christlichen Mittelalters war es das 15. Lebensjahr. Erik Magnusson stand 1280 mit 12 Jahren noch unter der Vormundschaft des Reichsrates. Für Frauen gab es eine "latente" Thronfolgeberechtigung. Sie konnten zwar selbst nicht Herrscherinnen werden, aber den ihnen an sich zukommenden Herrschaftsanspruch auf ihren Ehemann oder Sohn weitergeben. Die Ynglinga-Saga (keine Geschichtsschreibung, aber ein Spiegel der Kenntnisse der Verfasser über bestimmte Gesellschaftsstrukturen) berichtet, dass König Eysteinn Halfdánarson Vestfold geerbt habe, als sein Schwiegervater, König Eiríkur Agnarsson kinderlos gestorben war. König Halvdan Svarte, der Vater Harald Hårfagres soll erst einen Teil von Agdir von König Haraldur granrauði, seinem Großvater mütterlicherseits und dann auch noch Sogn über seinen Sohn Harald von dessen mütterlichen Großvater Harald gullskegg geerbt haben. Das war auch mit dem normalen Erbrecht vereinbar. Danach konnten Frauen eine Grundherrschaft erben, allerdings die Herrschaft nicht persönlich ausüben. Bei der Thronfolge wurde das normale Erbrecht nachgebildet. So schloss der nähere Verwandtschaftsgrad den ferneren vollständig aus. Dabei wurde allerdings nicht vom verstorbenen König aus gerechnet, sondern vom Stammvater, von dem das Königtum abgeleitet wurde. So schloss der Sohn zwar den Enkel aus. Aber wenn der verstorbene König einen Sohn und eine Tochter hatte, so waren die Söhne des Sohnes und ihre Söhne gleichberechtigt. Bei der Erbfolge in einen Gutshof galt: Die männlichen Nachkommen schlossen die weiblichen zwar aus, nahmen ihnen aber nicht das latente Nachfolgerecht. Bei zwei Schwestern verdrängte diejenige, die einen Sohn hatte, die Schwester, die nur eine Tochter hatte, vom Hof. Hatte in der nächsten Generation der Sohn nur eine Tochter und die Schwester-Tochter einen Sohn, so verdrängte dieser umgekehrt die Tochter. Dies ist alles so im Gulaþingslov geregelt. Wie weit diese Regeln auch auf die Thronfolge angewendet wurden, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls gab es einen Unterschied: Während nach der zivilen Erbfolgeregelung uneheliche Söhne erst nach den Geschwisterkindern erben konnten, waren außereheliche Kinder ohne weiteres thronfolgeberechtigt. Håkon der Gute war unehelicher Sohn von Harald Hårfagri, Magnus der Gute war unehelicher Sohn von Olav dem Heiligen. Die meisten Könige damals waren unehelich. Bei der gemeinsamen Regierung mehrerer Brüder folgte der Sohn eines versterbenden Königs seinem Vater nicht nach, sondern dessen Königsherrschaft wuchs den verbleibenden Königen zu. Harald Hårfagre versuchte, durch Hausgesetz die Erbfolge erstmalig abweichend zu regeln, indem er bestimmte, dass seine Söhne das Reich teilen sollten, aber einer das Oberkönigtum innehaben sollte. Jeder sollte sein Königtum im Mannesstamme vererben. Die Söhne von Töchtern sollten - ebenfalls erblich - die Jarlswürde erhalten, womit eine kleinere Herrschaft, dem König untergeordnet, bezeichnet war. Mit Hilfe des Oberkönigtums sollte trotz der Teilung der Herrschaft eine Einheit des Reiches nach außen gewahrt bleiben.

Königtum in Skandinavien im christlichen Mittelalter

Die Funktion des Königtums änderte sich im christlichen Mittelalter, insbesondere um 1300, allmählich. Unter Erik II. und besonders unter seinem Nachfolger Håkon Magnusson bekam der König eine im frühen Skandinavien unbekannte Rolle als oberster Gesetzgeber und oberster Richter. Um diese Zeit wurde der Königsspiegel in altnorwegischer Sprache verfasst, der die Stellung des Königs ausschließlich biblisch begründet. Hier kommen die kontinentalen Strömungen der Rechts- und Staatswissenschaften zum Tragen.

König in der Neuzeit

Der Königstitel wird in den meisten Ländern Europas durch Erbgang nach dem Tod des Vorgängers übertragen. In den Erbmonarchien galt früher fast immer das männliche Erstgeburtsrecht. Nachfolger wurde also stets der älteste männliche Erbe des verstorbenen Königs. Die meisten europäischen Monarchien haben in den letzten Jahren die Erbfolge zugunsten des ältesten leiblichen Erben – gleichgültig ob Mann oder Frau – geändert. Einige Königreiche, wie etwa Polen und heute noch Malaysia, waren dagegen Wahlmonarchien. In ihnen bestimmte ein festgelegter Kreis von Wählern – in Deutschland waren dies die Kurfürsten – den Nachfolger eines verstorbenen oder abgesetzten Königs. Der formelle Amtsantritt eines Königs erfolgt im Rahmen einer feierlichen Krönung, wie in England oder in einer Huldigungszeremonie, wie in den Niederlanden. Siehe auch: Monarchie

Königslisten von Monarchien


- Bayern
- Böhmen
- Bosnien
- Burundi
- Dahomey (Königreich)
- Dänemark
- England
- Frankenreich
- Frankreich
- Griechenland
- Könige im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation
- Kongo (Reich)
- Kroatien
- Lesotho
- Makedonien
- Marokko
- Neapel
- Nepal
- Niederlande
- Ostgotenreich
- Polen
- Portugal
- Preußen
- Sachsen
- Sizilien
- Ungarn
- Westgotenreich

Siehe auch


- Liste der Referenztabellen/Herrscher und Regierungschefs, Herrscher, Monarchie, Großkönig, Irische Hochkönige, Kaiser, Adelstitel

Literatur


- Aschehougs Norges Historie. Oslo 1995, Bd. 2, ISBN 82-03-22013-4
- Lotte Hedeager: "Scandza", Folkevandingstidens nordiske oprindelsesmyte. In Nordsjøen - Handel, Religion og politikk. Karmøyseminaret 94/95 Hrg. Karmøy Kommune, S. 9, ISBN 82-7859-000-1.
- Konrad Maurer: Vorlesungen über Altnordische Rechtsgeschichte Bd. I: Altnorwegisches Staatsrecht und Gerichtswesen. Deichert'sche Verlagsbuchandlung, Leipzig 1907. Kategorie:Rechtsgeschichte Kategorie:Adelstitel Kategorie:Wikingerzeit als:König ja:国王 simple:King

Leibwache

Eine Leibwache oder Leibgarde besteht aus einem oder mehreren Leibwächtern und ist für den Schutz des Lebens oder der körperlichen Unversehrtheit von bestimmten Personen verantwortlich – oft rund um die Uhr. Aufgrund der hohen Personalkosten haben in der Regel nur reiche oder bedeutende Persönlichkeiten (Politiker, Wirtschaftsführer, Stars) oder aber unmittelbar bedrohte Personen (Kronzeugen, Mafiabosse) eine Leibwache. Sprachlich wurde der Begriff "Leibwächter" im Deutschen inzwischen nahezu ganz durch den Anglizismus "Bodyguard" ersetzt.

Die Leibwache in der Geschichte

Anglizismus Historisch gesehen ist eine Leibwache eine Truppe, die für den unmittelbaren Schutz des Herrschers bestimmt war. Die Leibwache war schon im Altertum bekannt, so hatten beispielsweise die Perserkönige die 10 000 Unsterblichen als eine auserlesene Gardetruppe. Auch Philipp von Mazedonien und sein Sohn Alexander der Große schufen sich aus den Söhnen des Landadels eine berittene Leibgarde. Dabei spielte jedoch nicht nur die Schutzfunktion dieser Wächter für ihre Herren eine Rolle. Genauso wichtig war im umgekehrten Fall der Aspekt der Leibwächter als Geiseln. Dadurch, dass ihre Söhne in der Leibgarde des Herrschers Dienst taten waren auch die kleineren Fürsten unter dessen Kontrolle - ein gutes Mittel gegen plötzliche Aufstände.
Im republikanischen Rom hatten die Befehlshaber des Heeres die Cohors praetoria als Leibwache, die sich später zum Prätorianerkorps entwickelte. Die römischen Kaiser schufen sich eine besondere Leibgarde, die Custodes corporis, die aus Germanen bestand. Im Osmanischen Kaiserreich waren die Janitscharen lange Zeit Leibgarden. Im Mittelalter waren Leibwachen die einzigen stehenden Truppen eines Fürsten und wurden oft gegen unbotmäßige Vasallen eingesetzt. Vor 1918 hatten im deutschen Sprachraum nur die Herrscher von Österreich-Ungarn und Bayern besondere Leibgarden. Während der Zeit des Dritten Reiches hieß die Leibwache von Adolf Hitler "Leibstandarte Adolf Hitler" und war Teil der SS. Leibwachen im alten Sinne gibt es heute nicht mehr. Man spricht jetzt von Personenschutz, der für hochrangige Personen aus der Politik vom Bundeskriminalamt gestellt wird.

Siehe auch

Garde

Literatur

von Alten, G.: Handbuch für Heer und Flotte, Band 5, Berlin 1913

Weblinks


- [http://www.bka.de/profil/profil4.html Personenschutz beim BKA]
- [http://www.bodyguard-akademie.com Bodyguard Akademie] Kategorie:Sicherheit ja:親衛隊

Imperium

Ein Imperium (von lat. imperium: Oberbefehl, Herrschaft, Gewalt oder imperare im = in; parare = pare = "hervorbringen": "befehlen, beherrschen") ist definiert durch die Möglichkeit, Macht auch außerhalb der eigenen (Staats)Grenzen auszuüben. So findet der Begriff heute auch Anwendung in der Wirtschaft (Firmenimperium).

Altes Rom

Im römischen Reich gehörte der Begriff Imperium zum Konzept der rechtlichen Amtsbefugnisse. Ein Mann, der ein Imperium innehatte, hatte absolute Macht innerhalb des Zuständigkeitsbereichs seines Amtes, konnte aber per Veto oder Mehrheitsbeschluss durch den oder die Inhaber eines höhergestellten Imperiums überstimmt werden. Ein Imperium wurde im Wesentlichen auf zwei Arten gekennzeichnet. Ein Beamter mit Imperium (Magistrat oder Promagistrat) trug einen Stab aus Elfenbein mit einem Adler am oberen Ende als Amtszeichen (vergleiche den Marschallstab eines Feldmarschalls). Diese Beamten wurden von Liktoren begleitet, die die Fasces trugen (in Rom das traditionelle Symbol von Imperium und Autorität); außerhalb des Pomerium wurden Äxte den Fasces hinzugefügt, um die Macht eines imperialen Beamten anzuzeigen, außerhalb Roms die Todesstrafe zu verhängen (die Äxte wurden innerhalb des Pomerium entfernt). Die Zahl der Liktoren, die den Beamten begleiteten, war ein offenkundiges Zeichen des Rangs des Imperiums:
- Diktator – ursprünglich 12 Liktoren, nach der Diktatur des Sulla waren es 24
  - Da der Diktator die Todesstrafe auch innerhalb Roms verhängen konnte, trugen seine Liktoren die Äxte auf den Fasces auch innerhalb des Pomerium
- Konsul - 12 Liktoren
- Praetor – 6 Liktoren außerhalb, 2 innerhalb Roms
- Magister equitum – 6 Liktoren
  - Es gibt einen historischen Disput, ob ein prätorianisches Imperium gegenüber dem Imperium eines Magister equitum vorrangig war.
- Aedilis curulis – 2 Liktoren
  - Da ein Aedilis plebis kein Imperium innehatte, wurde er nicht von Liktoren begleitet Ein Promagistrat hatte das Imperium ebenso inne wie der Amtsinhaber selbst (zum Beispiel der Prokonsul gegenüber dem Konsul) und wurde daher von der gleichen Anzahl Liktoren begleitet. Das imperium proconsulare wurde unter Augustus von der Ausübung des tatsächlichen Amtes getrennt; Augustus und die folgenden Kaiser verwalteten die ihnen zustehenden "kaiserlichen" Provinzen, nicht direkt, sondern über legati Augusti pro praetore; sie blieben aber Oberbefehlshaber der in den Provinzen stationierten Truppen. Einige außergewöhnliche Aufträge, wie das berühmte Kommando des Gnaeus Pompeius Magnus gegen die Piraten, waren mit einem Imperium maius ausgestattet, was bedeutete, dass es alle Inhaber anderen Imperia innerhalb des Auftrags überragte (in Pompeius' Fall auch die Konsuln). Ein ähnliches Imperium maius wurde später ein wichtiger Bestandteil der Amtsgewalt der römischen Kaiser und gab ihnen die Möglichkeit, auch in den Provinzen einzugreifen, die formell dem Senat unterstanden (senatorische Provinzen).

Heutige Bedeutungen

Siehe auch: Imperialismus#Gegenwart. Kategorie:Militär im Römischen Reich Kategorie:Römische Gesellschaft

Consulat

Das (oder der) Consulat (Latein: consulatus) war das höchste zivile und militärische Amt der Ämterlaufbahn (cursus honorum) der römischen Republik. Die zwei Consuln wurden vom Volk auf ein Jahr gewählt; seit 153 v. Chr. traten sie ihr Amt am 1. Januar an, der seither als Jahresanfang galt. Eingeführt wurde das Consulat angeblich 509 v. Chr. mit dem Sturz des letzten römischen Königs. Lucius Iunius Brutus war der erste Consul Roms. Anfangs mussten die Amtsträger dem Stand der Patrizier angehören, das änderte sich erst 367 v. Chr. durch die Lex Licinia, die auch den Plebejern den Zugang ermöglichte. Viele Historiker gehen heute davon aus, dass das Consulat erst in dieser Zeit geschaffen wurde, während zuvor ein einziger Oberbeamter, der Praetor maximus, an der Spitze des Staates gestanden habe. Voraussetzung für eine Bewerbung um das Amt des Consul war die Bekleidung der Ämter des cursus honorum. Bewerber mussten gegen Ende der Republik ein Mindestalter von 43 Jahren haben. Um eine Alleinherrschaft und Machtmißbrauch zu verhindern war die Ausübung des Amtes auf ein Jahr begrenzt und gleichberechtigt auf zwei (teilweise sogar vier oder fünf) Consuln aufgeteilt. Starb ein Consul während der Ausübung seiner Tätigkeit oder legte sein Amt zurück, so wurde ein consul suffectus (Suffektkonsul = Ersatzkonsul) nachgewählt. In der Republik wurde der Consul von den Centuriatskomitien gewählt. Nach den Amtsinhabern wurden die Jahre benannt, siehe: Liste der römischen Consuln (fasti consulares), die Consuln waren also Eponyme (Namensgeber für einen Zeitraum). Die Namen der beiden Consuln wurden hintereinander im Ablativ angegeben, z.B. bedeutet Gn. Domitio C. Sosio consulibus im Jahre 32 v.Chr. Jeder Consul konnte mit seinem Veto (lat. Ich verbiete) die Entscheidungen des anderen aufheben. Die Consuln hatten mit den Praetoren gemeinsam als einzige Magistrate (bis auf den kurulischen Aedilen in der späteren Zeit der Republik) das Imperium inne. Das heißt innerhalb ihrer Amtsführung konnte nur von ihrem jeweiligen collega, vom Senat oder vom Tribunus Plebis eine Entscheidung rückgängig gemacht, bzw.gestoppt werden. Die Consuln hatten den Vorsitz des Senates, worin sie sich monatlich abwechselten. Ihnen stand der militärische Oberbefehl zu, bei dem sie sich im Kriegsfall täglich gegenseitig abwechselten. Sie brachten Gesetzesanträge ein, deren Ausführung die Quaestoren überwachen mussten. Zu ihren Aufgaben gehörte die Einweihung von Tempeln, die Vollziehung von Opfern und die Auspizien. Die den Consuln zustehenden Verwaltungsaufgaben wurden zunehmend auf andere Amtsträger übertragen, so dass das Consulat vor allem ein politisches Amt war. Ein großer Teil der gewählten Amtsträger entstammte den alteingesessenen Familien, die bereits irgendwann einen Consul gestellt hatten. Äußere Erkennungsmerkmale eines Consuls waren das Anrecht auf den kurulischen Stuhl, die Toga Praetexta und zwölf Liktoren. Die ehemaligen Amtsinhaber wurden als Statthalter mit militärischem Kommando (pro consule) in die Provinzen entsandt (im Gegensatz zu den ehemaligen Praetoren, die als Statthalter ohne militärisches Kommando entsandt wurden). Die ehemaligen Consules - Consularen genannt - bildeten eine sehr einflussreiche Fraktion im römischen Senat. Erreichte ein Bürger als erstes Mitglied seiner Familie (als homo novus) das Consulat, so kam dies einer Aufnahme in die römische Nobilität gleich. Dies geschah aber zuletzt nur noch selten. In der Kaiserzeit verlor das Amt bald jeden politischen Einfluss und wurde nun vom Kaiser verliehen, es war aber weiter höchst angesehen und begehrt. Im Oströmischen/Byzantinischen Reich wurde es unter Kaiser Justinian I. 542 abgeschafft, der letzte weströmische Konsul bekleidete sein Amt 534.

Siehe auch


- Liste der römischen Konsuln
- Portal und Themenliste Rom
- Proconsul
- Suffektkonsul ---- Ämterfolge im römischen cursus honorum: Quaestur, Tribunat/Aedilamt, Praetur, Consulat, Censoramt. Kategorie:Rechtsgeschichte Kategorie:Römisches Amt ja:執政官 ko:집정관

Legatus

Unter einem Legatus versteht man einen römischen Offiziersdienstgrad. Er ist nicht zu verwechseln mit dem im Deutschen üblichen Wort "Legat", worunter heute lediglich Abgesandte oder kirchliche Vertreter zu verstehen sind. In der Kaiserzeit befehligte der Legatus eine Römische Legion, oftmals sogar mehrere. Der Posten wurde meist von einem, vom Kaiser berufenen Senator, oder gleich einem Konsul innegehalten. Sein militärischer Dienstgrad entspricht heute etwa einem General bzw. bei einem Kommando über mehrere Legionen dem eines Generalfeldmarschalls. Kategorie:Militär im Römischen Reich Kategorie:Generalsdienstgrad

Diktator

Der Begriff Diktator (von lat. der Sprechende, Befehlende) bezeichnet ursprünglich ein politisches Amt des Alten Roms. In besonderen Krisenzeiten ernannten die höchten politischen Beamten der Republik, die Konsuln, mit der Zustimmung des Senats einen Diktator. Dieser hatte unumschränkte Befehlsgewalt in Staat und Heer (summus imperium). Ihm waren alle anderen Magistrate mit Ausnahme der Volkstribunen unterstellt. Seine Herrschaft war auf 6 Monate begrenzt. Nach Niederlegung seines Amtes konnte er keiner Vergehen angeklagt werden (im Gegensatz zu allen anderen republikanischen Beamten). Dem Diktator war der magister equitum zugeordnet. Bekannte römische Diktatoren waren Cincinnatus, Fabius Maximus, Sulla und Gaius Julius Cäsar, der sich (verfassungswidrig) zum Diktator auf Lebenszeit ernennen ließ.

Diktatoren der Neuzeit

Unter einem Diktator im neuzeitlichen Sinn versteht man einen Herrscher in einer Diktatur, der mit unbeschränkter, absoluter Macht regiert. Anzeichen einer Diktatur sind die Abwesenheit von freien Wahlen und grobe und systematische Verletzungen der Menschenrechte durch die Regierung (oder durch die Regierung unterstützte Organisationen, z.B. Todesschwadronen). Unter vorgeblichem Rückgriff auf die Antike spielten Diktatoren wie Mussolini, Hitler und Franco als Machthaber im europäischen Faschismus eine bedeutende Rolle. Die folgende Tabelle gibt einen unvollständigen Überblick über einige Diktatoren der Neuzeit (nach Regierungszeit sortiert): Weitere Herrscher, deren Status als Diktator umstritten ist:
- Juan Peron (Argentinien) (1946-1955)
- Ruhollah Chomeini (Iran) (1979-1989)
- José Eduardo dos Santos (Angola) (1979-)
- Ilham Aliyev (Aserbaidschan) (2003-)
- Jigme Singye Wangchuk (Bhutan) (1972-)
- Hassanal Bolkiah (Brunei) (1967-)
- Paul Biya (Kamerun) (1982-)
- François Bozizé (Zentralafrikanische Republik) (2003-)
- Idriss Déby (Tschad) (1991-)
- Joseph Kabila (Demokratische Republik Kongo) (2001-)
- Hosni Mubarak (Ägypten) (1981-)
- Teodoro Obiang Nguema Mbasogo (Äquatorialguinea) (1979-)
- Isayas Afewerki (Eritrea) (1993-)
- Lansana Conté (Guinea) (1984-)
- Askar Akajew (Kirgisistan)(1990-2005)
- Khamtay Siphandone (Laos) (1998-)
- Maumoon Abdul Gayoom (Malediven) (1978-)
- Maaouiya Ould Sid Ahmed Taya (Mauretanien) (1984-2005)
- Qabus ibn Said (Oman) (1970-)
- Pervez Musharraf (Pakistan) (1999-)
- Baschar al-Assad (Syrien) (2000-)
- Emomali Rachmonow (Tadschikistan) (1994-)
- Gnassingbé Eyadéma (Togo) (1967-2005)
- Zine el-Abidine Ben Ali (Tunesien) (1987-)
- Islam Karimow (Usbekistan) (1990-)
- Wojciech Jaruzelski (Polen) (1985-1990)
- Józef Pilsudski (Polen) (1918-1922,1926-1935)
- Anwar as-Sadat (Ägypten) (1970-1981)
- Gamal Abdel Nasser (Ägypten) (1954-1970)
- Slobodan Milošević (Serbien/Jugoslawien) (1989-1997/1997-2000)
- Franjo Tuđman (Kroatien/Jugoslawien (1990-1999)
- Faure Gnassingbé (Togo) (2005-)
- Yahya Jammeh (Gambia (1994-)

"Wohlwollender Diktator"

Unter dem Begriff wohlwollender Diktator wird ein Diktator verstanden, dem das Wohl seines Volkes wichtig ist. Ein allgemein akzeptiertes Beispiel gibt es und gab es bis jetzt nicht. Von ihren Anhängern wurden und werden verschiedene Diktatoren, zum Beispiel Fidel Castro, Anwar Sadat, Tito, Napoleon Bonaparte und Omar Torrijos jedoch gelegentlich so bezeichnet.

Weblinks


- [http://www.dictatorofthemonth.com Diktator des Monats - Bios und Bilder von Diktatoren der Welt seit 1900]
- [http://arthuredelstein.org/worlddictators/ Die Diktatoren der Welt 2005 (englisch)] Kategorie: Herrschertitel ja:独裁者

Leibwächter

Eine Leibwache oder Leibgarde besteht aus einem oder mehreren Leibwächtern und ist für den Schutz des Lebens oder der körperlichen Unversehrtheit von bestimmten Personen verantwortlich – oft rund um die Uhr. Aufgrund der hohen Personalkosten haben in der Regel nur reiche oder bedeutende Persönlichkeiten (Politiker, Wirtschaftsführer, Stars) oder aber unmittelbar bedrohte Personen (Kronzeugen, Mafiabosse) eine Leibwache. Sprachlich wurde der Begriff "Leibwächter" im Deutschen inzwischen nahezu ganz durch den Anglizismus "Bodyguard" ersetzt.

Die Leibwache in der Geschichte

Anglizismus Historisch gesehen ist eine Leibwache eine Truppe, die für den unmittelbaren Schutz des Herrschers bestimmt war. Die Leibwache war schon im Altertum bekannt, so hatten beispielsweise die Perserkönige die 10 000 Unsterblichen als eine auserlesene Gardetruppe. Auch Philipp von Mazedonien und sein Sohn Alexander der Große schufen sich aus den Söhnen des Landadels eine berittene Leibgarde. Dabei spielte jedoch nicht nur die Schutzfunktion dieser Wächter für ihre Herren eine Rolle. Genauso wichtig war im umgekehrten Fall der Aspekt der Leibwächter als Geiseln. Dadurch, dass ihre Söhne in der Leibgarde des Herrschers Dienst taten waren auch die kleineren Fürsten unter dessen Kontrolle - ein gutes Mittel gegen plötzliche Aufstände.
Im republikanischen Rom hatten die Befehlshaber des Heeres die Cohors praetoria als Leibwache, die sich später zum Prätorianerkorps entwickelte. Die römischen Kaiser schufen sich eine besondere Leibgarde, die Custodes corporis, die aus Germanen bestand. Im Osmanischen Kaiserreich waren die Janitscharen lange Zeit Leibgarden. Im Mittelalter waren Leibwachen die einzigen stehenden Truppen eines Fürsten und wurden oft gegen unbotmäßige Vasallen eingesetzt. Vor 1918 hatten im deutschen Sprachraum nur die Herrscher von Österreich-Ung