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Totalitarismus

Totalitarismus

Totalitarismus bezeichnet eine diktatorische Herrschaftsform. Im Unterschied zu autoritären Diktaturen erheben totalitäre Diktaturen den Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen, und in alle soziale Verhältnisse hinein zu wirken. Während sich autoritäre Diktaturen damit begnügen, dass das Volk nicht gegen die Herrschenden aufbegehrt, fordern totalitäre Diktaturen die aktive Unterstützung der Beherrschten ein. Typisch ist die dauerhafte Mobilisierung in Massenorganisationen und die Ausgrenzung oder ggf. Vernichtung von denjenigen, die sich den Strukturen nicht unterwerfen wollen.

Die Begriffsgeschichte

Der Begriff wurde 1923 von dem italienischen Liberalen Giovanni Amendola geprägt. Er bezeichnete das vom damaligen Diktator Italiens Benito Mussolini geschaffene Herrschaftssystem des Faschismus als totalitäres System ("sistema totalitario"). Während die Antifaschisten damit vor einer absoluten und unkontrollierbaren Herrschaft warnen wollten, wurde der Begriff von den Faschisten selbst übernommen und in ihrem Sinne positiv belegt. Der Begriff fand Eingang in die allgemeine innenpoltische Auseinandersetzung Italiens. Die katholische Volkspartei Italiens etwa stellte unter Verwendung des Begriffs die Lager der Faschisten und Kommunisten gleich, da beide die parlamentarische Demokratie ablehnen würden. Der national-konservative Staatsrechtler Carl Schmitt führte diesen Begriff in Deutschland ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als im Zuge des kalten Krieges immer mehr die Wesensähnlichkeit der Regierungssysteme des gerade besiegten Nationalsozialismus und des Stalinismus, also des Kommunismus Stalin'scher Prägung, herausgestellt wurde, wird von Totalitarismus nur noch in negativer Konnotation gesprochen. Einer der bekanntesten Kritiker des Totalitarismus ist der Schriftsteller George Orwell, der ihn in seinem Roman 1984 schon im Jahre 1948 beschreibt und darin spätere Erkenntisse anderer Kritiker auf fiktiver Ebene vorwegnimmt. Franz Borkenau stellte 1940 in seinem Werk The Totalitarian Enemy eine frühe Totalitarismuskonzeption mittels des Vergleichs von Nationalsozialismus und Bolschewismus vor. Die meistrezipierten Theoretiker des Totalitarismus sind Hannah Arendt sowie Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski. Hannah Arendt unternahm 1952 in ihrem Buch "Origins of Totalitarianism" (deutsch: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft) den Versuch, die strukturelle Gleichheit von Nationalsozialismus und Stalinismus zu analysieren und Ursprünge und Elemente ihrer Herrschaft zu erklären. In den Medien und im Sprachgebrauch der Politiker ist der Begriff mittlerweile Normalität geworden.

Merkmale des totalitären Staats

Eines der wesentlichen Merkmale des totalitären Staates ist, dass es keine Gewaltenteilung gibt. Legislative, Exekutive und Judikative sind nicht unabhängig und getrennt voneinander, sondern liegen in "einer Hand" (z.B. einer Partei, einem Diktator). Der totalitäre Staat versucht, durch Propaganda und Erziehung die unter seiner Herrschaft lebenden Menschen einer ständigen Indoktrination dieser herrschenden Ideologie auszusetzen. Dies soll bewirken, dass nicht nur äußerlich der formale Gehorsam dem Staat gegenüber sichergestellt ist, sondern auch innerlich die herrschende Ideologie enthusiastisch akzeptiert wird, was eine Politisierung der privaten Lebensbereiche mit sich bringt: Die Gedanken und Gefühle eines jeden Menschen sollen faktisch „von der Wiege bis zur Bahre“ manipuliert werden, um diese innere Bejahung der herrschenden Ideologie zu erzeugen. Daher ist ein weiteres Merkmal, dass die Presse- und Medienfreiheit stark eingeschränkt bzw. nicht existent ist. Um jedes von der herrschenden Ideologie abweichende Denken schon im Keime zu ersticken, sind die Bürger des totalitären Staates einer ständigen Kontrolle durch Spitzel und Geheimdienste und auch oft willkürlichen Repressionen wie etwa spontaner Verhaftung ausgesetzt.

Totalitarismus-Modelle

Es gibt verschiedene Versuche, totalitäre Systeme durch die Festlegung von Merkmalen zu bestimmen. Sämtliche dieser "Totalitarismus-Modelle" gehen davon aus, dass sich totalitäre Systeme eher über ihre Strukturen, als über ihre Ziele charakterisieren. Die wichtigsten dieser Modelle werden im folgenden dargestellt.

Das Totalitarismus-Modell von Hannah Arendt

Das Totalitarismus-Modell von Friedrich/Brzezinski

Die Politologen Carl Joachim Friedrich und Zbigniew Brzezinski sahen in totalitären Regimen etwas grundsätzlich Neues. Die verschiedenen totalitären Systeme seien jedoch grundsätzlich gleichartig und untereinander vergleichbar. Das Wesen der totalitären Regime sei ihre Organisation und ihre Methoden zur Erreichung der totalen Kontrolle, nicht ihr Streben nach totaler Kontrolle. Dennoch habe man sich totalitäre Systeme nicht als statische Gebilde vorzustellen, da sie einer Evolution unterlägen. In ihrem 1956 erschienenen Werk Totalitarian Dictatorship and Autocracy definierten Friedrich und Brzezinski sechs konstitutive Merkmale totalitärer Systeme:
#eine umfassende, allgemeinverbindliche, auf Schaffung einer neuen Gesellschaft (stark utopische und z.T. religionsähnliche Elemente) ausgerichtete Ideologie mit Wahrheitsanspruch. #eine einzige, hierarchisch organisierte Massenpartei (neuen Typs), die mit dem Staat identisch ist (Partei = Staat), oder ihn zumindest bestimmt #ein physisches und/oder psychisches Terrorsystem: Kontrolle und Überwachung durch Geheimpolizei #das nahezu vollständige Monopol der Massenkommunikationsmittel #das nahezu vollständige Monopol der Anwendung der Kampfwaffen #eine zentrale, bürokratisch koordinierte Überwachung und Lenkung der Wirtschaft Friedrich und Brzezinski weisen weiterhin auf die zentrale Rolle des technischen Fortschritts hin, der die Merkmale 3-6 erst ermögliche.

Das Totalitarismus-Modell von Peter Graf Kielmansegg

Der Politologe Peter Graf Kielmansegg kritisierte das Modell von Friedrich/Brzezinski, das seiner Meinug nach die Dynamik des sozialen Wandels innerhalb des Systems nicht erklären könne. Nach Kielmannsegg sind die entscheidenden Merkmale totalitärer Systeme: 1. monopolistische Konzentration der Chancen der Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse in einem Führungszentrum ::Entscheidend sei hierbei nicht, dass die Führung wirklich alles selbst regelt, sondern die Fähigkeit, prinzipiell jede Entscheidung an sich zu ziehen. Weiterhin die Fähigkeit, jede Entscheidung, die nicht Führung selbst trifft, zu revidieren. Weiterhin sei maßgeblich, dass die totalitäre Führung keiner Kontrollinstanz unterworfen ist. 2. prinzipiell unbegrenzte Reichweite der Entscheidungen des politischen Systems ::Hiermit ist die Eingriffskompetenz des politischen Systems in prinzipiell alle Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gemeint. 3. prinzipiell unbeschränkte Freiheit, Sanktionen zu verhängen (unbeschränktes Intensität der Sanktionen) :: Entscheidend sei das zur Verfügung stehende Sanktionsinstrumentarium und die Verfügungsfreiheit über diese Instrumente. Terror sei nur eines der möglichen Instrumente, andere beispielsweise die Bestimmung über Bildungs-, Berufs- und Kommunikationschancen, sowie über die Chancen materieller Befriedigung. Nach Kielmansegg zöge die Inanspruchnahme von Entscheidungsgewalt unbegrenzter Reichweite (2) die obige Struktur nach sich. Dieser Punkt sei also als Beginn der Entstehung totalitärer Systeme zu sehen. Sobald das Herrschaftsmonopol erst einmal etabliert sei, werde die Sicherung des Monopols (Macherhalt) zum Selbstzweck des Monopols. Nach Kielmansegg besteht also in totalitären Systemen ein Vorrang der Sicherung des Entscheidungsmonopols vor allen ideologischen Herrschaftszielen. Ideologie und Massenpartei hätten lediglich die Aufgabe, zu motivieren, zu kontrollieren und Legitimation zu verschaffen.

Beispiele totalitärer Regime

Allgemein wird akzeptiert, dass folgende Staaten totalitär sind oder waren:
- Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus
- die Sowjetunion, vor allem zur Zeit des Stalinismus
- die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea)
- die Volksrepublik China zur Zeit Mao Tse-Tungs
- manche islamisch-fundamentalistischen Länder wie Afghanistan unter den Taliban oder der Iran
- der italienische Faschismus. Umstritten ist dagegen in der Forschung, ob der Begriff etwa auf die DDR angewendet werden kann. Nach Eckhard Jesse kann die DDR unter Walter Ulbricht als totalitär bezeichnet werden. Unter Erich Honecker habe die DDR aufgrund der abnehmenden Ideologisierung selbst innerhalb der SED, sowie der abnehmenden Mobilisierung der Bevölkerung diesen Charakter zunehmend verloren und sich in Richtung eines autoritären Systems bewegt.

Kritik am Begriff

Der Begriff Totalitarismus wird innerhalb, aber auch außerhalb der Geschichts- und Politikwissenschaft kontrovers diskutiert. Hauptkritikpunkt ist, dass das Totalitarismus-Konzept nicht die Ziele und Inhalte politischer Systeme, sowie die Motivation politisch Handelnder erfasse, sondern nur die äußeren Formen wie Unterdrückung und Repression. Kritiker der Theorie des Totalitarismus werfen ihr dabei vor, als rein politikwissenschaftlicher Begriff die mit einer Gesellschaft untrennbar verbundene, jeweils unterschiedliche historische Genese, sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur der als totalitär bezeichneten Staaten nicht zu berücksichtigen. Eine Reihe von makropolitischen Merkmalen, wie z. B. Einheitspartei, allzuständiger Machtapparat, Kommunikationsmonopol und Führerkult reichten ihnen in wissenschaftlicher Hinsicht nicht aus, um zu erklären, was eine totalitär regierte Gesellschaft sei. So setze die Totalitarismustheorie letztendlich Systeme gleich, die im Kern völlig unterschiedlich seien. Den normativen Ausgangspunkt der Betrachtung stelle der demokratisch-pluralistische Verfassungsstaat westlicher Prägung dar. Dieser würde aber weder empirisch-analytisch an seinen eigenen Maßstäben gemessen, noch zum Vergleich mit den als totalitär geltenden Staaten herangezogen, sondern als ein Positiv außerhalb der gesamten Untersuchung gestellt. Die Theorie vom Totalitarismus sei deshalb eine bipolare Schwarz-Weiß-Typologie, deren erkenntnistheoretischer Gehalt gering sei. Die Rede von totalitären Staaten sei als „reine Herrschaftsideologie“ (K. H. Roth) zu betrachten, und könne von demokratisch-pluralistischen Staaten gegen alle anders organisierten Staatsgebilde argumentativ aufgefahren werden. Reinhard Kühnl kritisiert die heutige Wiederbelebung demokratiefeindlicher Richtungen der Totalitarismustheorie. So sei die so genannte "wahre Demokratie" von Carl Joachim Friedrich als bedeutenstem Vertreter einer modernen Totalitarismustheorie auf die Interpretation des „Verfassungsstaat“ von Carl Schmitt ausgerichtet. Schmitt und die Konservative Revolution lehnen aber „Volkssouveränität“, „Partizipation“ und „Mitbestimmungsbegehren“ grundsätzlich ab. Antitotalitarismus und Demokratie sind somit nicht dasselbe. Anti-partizipatorischer Konstitutionalismus werde hier lediglich wegen der negativen Besetzung des Begriffes „totalitären Diktatur“ von ihr abgehoben. Kühnl: „In der Tat lässt sich die Logik der herrschenden Totalitarismustheorie so zusammenfassen: Das eigentliche Übel ist die radikale Demokratie, die Volkssouveranität, die den Volksmassen direkte politische Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten gewährt. Danach führt die totalitäre Entwicklungslinie von Rousseau über die Französische Revolution, über Marx und Lenin bis zu Stalin und Hitler. (…) Der ‚Antitotalitarismus‘ ist also in Wahrheit ein Antidemokratismus.“ Die Totalitarismustheorie habe durch den Extremismus-Ansatz eine Fortführung erfahren, deren ideologischer Gehalt offen zu Tage trete. Mit ihr ließe sich schon in der Vergangenheit nicht das Wesen von Faschismus und Nationalsozialismus beschreiben und heute müsse sie bei der Erklärung des Rassismus und Neofaschismus versagen. Problematisch sei dabei die Gleichsetzung über idealtypische Kennzeichen von Stalinismus und Faschismus. Jeder strukturelle Vergleich führe unvermeidlich auch zur strukturellen Relativierungen. So werde der Holocaust zu einem Verbrechen unter anderen gemacht. Damit fände auch unter den Bekundungen einer so betriebenen Historisierung des Holocaust, z.B. durch den so genannten "Massakervergleiche", die den antisemitischen Kern von Auschwitz nicht berücksichtige, eine Entsorgung der deutschen Geschichte statt. Eine Auseinandersetzung mit und Aufarbeitung der Vergangenheit und deren Kontinuität in die Gegenwart werde damit abgewehrt. Kritiker wie Wolfgang Wippermann fordern daher statt eines Extremismusbegriffs mit idealtypischen Merkmalen einen der Ideologie angepassten realtypischen Begriff des Faschismus. Vor allem von sozialistischer Seite wird die Totalitarismusthese als „Totalitarismusdoktrin“ bezeichnet. Diese sei ein ideologisches Konstrukt des Kalten Krieges, das die Länder des real existierenden Sozialismus diffamieren solle. Gemäß sozialistischer Theorien ist der Faschismus vielmehr eine reaktionäre Form des Kapitalismus und damit mit Sozialismus oder Kommunismus überhaupt nicht zu vergleichen. Heute würde die Totalitarismusthese von „Rechtsintellektuellen“ etwa aus dem Veldensteiner Kreis neu belebt. Der Totalitarismustheorie wird von manchen eine ideologische Auswirkung auf das "Alltagsdenken" der Gesellschaft zugeschrieben. Dazu gehören Denkmuster, die die Aktivitäten rechtsextremer Gruppen mit denen antirassistischer Gruppen gleichsetzen. Dazu trugen sowohl politische Entlastungs-Kampagnen bei, die die Brandanschläge von Rostock-Lichtenhagen linken und rechten Gruppen gleichzeitig vorwarfen, als auch ein von der Bundeszentrale für Politische Bildung massenhaft verteiltes Standardwerk von Eckhard Jesse und Uwe Backes: „Politischer Extremismus in der BRD“. Darin heißt es: „Der Begriff des politischen Extremismus soll als Sammelbezeichnung für unterschiedliche politische Gesinnungen und Bestrebungen fungieren, die sich in der Ablehnung des demokratischen Verfassungsstaates und seiner fundamentalen Werte und Spielregeln einig wissen.“

Die Bedeutung der Totalitarismustheorie für eine kritische Theorie des Faschismus

Stefan Vogt untersucht das „kritische Potenzial“ des Totalitarismusbegriffs für eine kritische Theorie des Faschismus und unterscheidet dabei den Begriff des Totalitarismus von dem des „Totalitären“. Nach Stefan Vogt muss eine Kritische Theorie des Faschismus „Konvergenzen und Divergenzen, vielleicht sogar Differenzen des historischen Faschismus zur Nachkriegsdemokratie" erfassen. Er stellt fest, dass sie einem solchen Anspruch nicht erfüllen kann, da die Totalitarismustheorie in „ihrer Entwicklung und Popularisierung“ nach dem Zweiten Weltkrieg unter der „Prämisse“ gestanden habe, einen „unüberwindlichen Gegensatz zwischen Totalitarismus und bürgerlicher Demokratie zu beweisen.“ Dagegen sei der Begriff des „Totalitären“ bei Max Horkheimer, Franz Neumann und Hannah Arendt im Sinne einer kritischen Philosophie für ein Kritische Faschismustheorie durchaus geeignet. Horkheimer, Neumann und Arendt erkennen gemeinsam, trotz unterschiedlicher philosophischer Ausrichtung, einen „Kern des Totalitären“ des Nationalsozialismus in der „Dialektik von Kontinuität und Bruch“: Danach schneide der Nationalsozialismus die Möglichkeiten für seine Überwindung, für eine gesellschaftliche Veränderung zum Besseren ab und stelle somit einen „Bruch der Kontinuität des historischen Prozesses“ dar. Gleichzeitig sei die totalitäre Ordnung, die sich auf diese Weise „etabliert“ nach dieser kritischen Philosophie „ohne jeden Zweifel aus der bürgerlichen Gesellschaft erwachsen“.

siehe auch

Politische Religion

Literatur


- Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft, München 1986
- Walter Schlangen: Theorie und Ideologie des Totalitarismus, Bonn 1972
- Alain de Benoist: TOTALITARISMUS – Kommunismus und Nationalismus – die andere Moderne, Berlin 2001
- Franz Borkenau: The Totalitarian Enemy, London 1940
- Alain Finkielkraut:
Die Niederlage des Denkens Reinbek 1989 ISBN 3499124130
- Carl J. Friedrich:
Totalitäre Diktatur, Stuttgart 1957
- André Glucksmann:
Die Meisterdenker, Stuttgart München 1987 ISBN 3421063508
- Eckhard Jesse (Hrsg.):
Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationalen Forschung, Bonn 1999
- Václav Havel:
Versuch, in der Wahrheit zu leben, Reinbek 1989
- Rolf Henrich:
Der vormundschaftliche Staat, Reinbek 1990
- Konrad Löw (Hrsg.), Totalitarismus, 1993.
- Hans Maier, Hrsg.:
Totalitarismus und Politische Religionen. Konzepte des Diktaturvergleichs ISBN 3-506-76829-8
- Karl Popper:
Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde ISBN 3161459512 (Band1) ISBN 3825217256 (Band 2)
- Bernd Weil:
Faschismustheorien. Eine vergleichende Übersicht mit Bibliografie. Frankfurt am Main 1984
- Gerd Wiegel:
Die Zukunft der Vergangenheit. Konservativer Geschichtsdiskurs und kulturelle Hegemonie. Köln 2001
- Karl A. Wittfogel:
Die orientalische Despotie Köln 1971
- Ulrike Ackermann:
Sündenfall der Intellektuellen, Klett-Cotta 2000, ISBN 3-608-94278-5
- Juan J. Linz:
Totalitäre und autoritäre Regime, Potsdamer Textbücher, Berlin 2000, ISBN 3-931703-43-6 aus kritischer Sicht:
- Karl Heinz Roth:
Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie. KVV-Konkret. Hamburg, 1999 ([http://www.akweb.de/ak_s/ak441/02.htm Besprechung: Die neue Staatsdoktrin])
- Reinhard Kühnl (1998): Vom Siechtum und Wiederbelebung einer politischen Theorie und von der Sichtweise eines Polizeiverstandes auf eine wissenschaftliche Umwälzung. In: Das Argument 225 (Heft 3/1998)
- Hans-J. Lietzmann (1997): Von der konstitutionellen zur totalitären Diktatur. Carl Joachim Friedrichs Totalitarismustheorie. In: Söllner, Alfred u.a. [Hrsg.]: Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts
- Stefan Vogt – Gibt es einen kritischen Totalitarismusbegriff? In: jour fixe initiative berlin (Hg.) : Theorie des Faschismus - Kritik der Gesellschaft. ISBN 3-89771-401-9
- Wolfgang Wippermann: Totalitarismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute. Darmstadt 1997
- Wolfgang Wippermann: Über »Extremismus«, »Faschismus«, »Totalitarismus« und »Neofaschismus«: Jäger, Siegfried / Schobert, Alfred (Hg.) : Weiter auf unsicherem Grund. Faschismus - Rechtsextremismus - Rassismus: Kontinuitäten und Brüche. ISBN 3-927388-75-0

Weblinks


- [http://www.bpb.de/popup_lemmata.html?guid=JOGNZB Definition in Das Politiklexikon]
- [http://www.glasnost.de/autoren/habehrend/arendt.html Hanna Behrend: Überlegungen zu Hannah Arendts Totalitarismustheorie]
- [http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2002/01/totalitarismus.htm Kurze Geschichte des Totalitarismus-Begriffs]
- [http://www.hait.tu-dresden.de/ext/homepage.asp Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung]
- [http://www.extremismus.com/texte/total1.htm Uwe Backes und Eckhard Jesse: Totalitarismus und Totalitarismusforschung - Zur Renaissance einer lange tabuisierten Konzeption]
- [http://www.glasnost.de/autoren/lozek/total.html Gerhard Lozek: Totalitarismus - (k)ein Thema für die Linke? Die Totalitarismus-Auffassung in Geschichte und Gegenwart] Kategorie:Staatsform Kategorie:Diktatur Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Politisches Schlagwort ja:全体主義 ms:Totalitarianisme

Diktatur

Unter einer Diktatur (v. lat. dictatura) versteht man die Zwangsherrschaft durch eine Person, eine politische Partei, eine Minderheit oder Gruppe von Menschen über ein Volk. In Diktaturen besteht die Gefahr der regelmäßigen Verletzung der Menschenrechte zum Zwecke der Machterhaltung. Das reicht von Einschränkungen der freien Meinungsäußerung bis hin zur gewaltsamen Verfolgung politischer Gegner oder ganzer Bevölkerungsgruppen. Eine Gewaltenteilung gibt es hier nicht, so dass eine Kontrolle des Diktators, sei es eine einzelne Person oder eine Gruppe, kaum stattfindet. Im Gegensatz zur Demokratie gibt es in Diktaturen keine freien Wahlen. Das Wort kommt aus dem Lateinischen; im antiken Rom war der dictator ein nur in höchster Not besetztes Amt an Stelle der sonst üblichen Doppelherrschaft der beiden Konsuln, welches nach einem halben Jahr erlosch.

Selbstdefinition

Diktaturen stellen sich selbst meist als schnelle und radikale Lösung aller zwischenmenschlichen, wirtschaftlichen und staatlichen Probleme dar, die alle anderen konkurrierenden Systeme geschaffen hätten. Gemein haben all Diktaturen, dass sie sich negativ, d. h. über ihr (selbstgeschaffenes) Feindbild definieren, dass es zu bekämpfen gilt. Nicht selten wird damit aber willkürlich verfahren, siehe Goebbels: Wer Jude ist, bestimmen letztendlich wir.

Merkmale einer Diktatur

Mögliche politische Merkmale


- ideologische Ausprägungen (z.B. Nationalsozialismus/Faschismus, Stalinismus/Maoismus)
- damit verbunden ein oft übertriebenes, ungerechtfertigtes oder vollständig aufgebautes, paranoides Feindbild, deren Bekämpfung die Ideologie rechtfertigen und erhalten soll (fast immer kleine, quasi wehrlose Minderheiten, z.B. Juden, Homosexuelle, Oppositionelle oder Intellektuelle.
- Verbot, Ausschaltung und/oder Verfolgung von Oppositionsparteien
- keine oder eingeschränkte Wahlen, auch Scheinwahlen (auch ungültige Stimmen werden als Ja-Stimmen gezählt, Beobachtung der Stimmabgabe)
- Heilsversprechen

Merkmale innerhalb der Gewalten


- Beseitigung der Gewaltenteilung z. B. nach Übernahme mindestens zweier der drei Gewalten

Systematische Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte


- Einschränkungen der Meinungsfreiheit (z.B. Bewertung von Kritik an politischer Institution als Hochverrat oder Beleidigung des Königshauses), Einschüchterung oder Verhaftung von politischen Gegnern oder "Unzuverlässigen",
- Einschränkungen der Presse (z.B. keine allgemeine Information, nur besondere/eingebundene Journalisten),
- Einschränkungen der Pressefreiheit (z.B. Verbot eines journalistischen Beitrags oder einer Zeitung)

Juristische Merkmale


- Folter (darunter auch so genannte Weiße Folter)
- Polizeistaat oder Militärstaat, keine Rechtsstaatlichkeit, keine unabhängigen Gerichte
- juristische und/oder soziale Außerkraftsetzung der Unschuldsvermutung
- Außerkraftsetzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes: Strafgesetze, bei denen die angedrohte Strafe viel stärker ist, als es für die Schwere der Tat verhältnismäßig wäre (oft verbunden mit selektiven Amnestien oder Massenverhaftung)
- Verbot von starker Verschlüsselung,

Soziales Klima


- Unterdrückung und Unterordnung des Volkes ("Klima der Angst und Repression")
- Unfreiheit
- Abwertung des Individualismus, Glorifizierung des Kollektivs und dessen vermeintlicher Einheit und Stärke bei gleichzeitiger Verfolgung Destruktiver und/oder Passiver
- Förderung des Denunziantentums und des Opportunismus
- keine Wahrung der Interessenvielfalt
- Personenkult, zum Beispiel das "Führerbild" in jedem Privathaus und in Schulen
- damit ist meist eine Omnipräsenz des Herrschers oder des Regierungsapparates verbunden
- Populismus

Unterdrückung und Unterordnung des Volkes und des einzelnen Menschen

Die meisten Diktaturen fordern die Unterordnung des Einzelnen unter die Gemeinschaft bzw. den Staat. Dies wird mit einem angeblich "höheren Ziel" begründet. Unter der Diktatur des Nationalsozialismus mussten sich die Einzelnen der "Volksgemeinschaft" und der "arisch-germanischen Rasse" unterordnen, die größte Opfer verlangte. Daher das Sprichwort: "Du bist nichts, dein Volk ist alles!". Einen eigenen Wert (Menschenwürde) wurde dem Einzelnen abgesprochen. Der italienische Faschismus verlangte die Unterordnung des Einzelnen unter die "Nation", die angeblich "größer" war als der Einzelne. Unter der kommunistischen Herrschaft war die Klassenlose Gesellschaft (erreicht durch eine "Diktatur des Proletariats") das höchste Ziel . Wer eine andere Meinung hatte, stellte sich dem "Fortschritt" entgegen und galt als "Konterrevolutionär". Der Freiheitsbegriff des Individualismus und der Menschenwürde des Einzelnen wurde durch einen "totalitären Freiheitsbegriff" ersetzt, zum Beispiel die Freiheit des Volkes, die Freiheit der Nation oder die Freiheit der proletarischen Klasse. Die Unterdrückung des Individuums wurde durch die Freiheit der Nation oder die Freiheit der proletarischen Klasse legitimiert.

Verletzung der Menschen- und der Bürgerrechte, Folter

Menschenrechte stehen jedem einzelnen Menschen zu und können nicht entzogen, sondern nur verletzt werden. Dies geschieht vielfach in Diktaturen, weil die Machthaber bzw. die Partei oder die "herrschenden Klasse" ihre Macht behalten will. Oft sollen Menschenrechtsverletzungen einem angeblich "höherem Ziel" oder dem "Fortschritt" dienen. In fast allen Diktaturen werden Zeitungen verboten oder kontrolliert, Journalisten verhaftet, Missliebige oder angebliche politische Gegner inhaftiert. Manche Menschen "verschwinden" einfach und ihre Angehörigen wissen nicht, ob sie noch leben oder wo sie sich aufhalten. Oftmals werden Menschen auch ohne Gerichtsverhandlungen eingesperrt oder sie bekommen keinen rechtlichen Beistand. In den Gefängnissen und in Polizeigewahrsam wird häufig gefoltert, zum Beispiel durch Schläge, Tritte und Schlafentzug, aber auch durch grelles Licht oder Dunkelheit. Durch die Manipulation der Zeitungen, des Rundfunks und des Fernsehens wird das Volk in vielfacher Hinsicht beeinflusst und im Sinne der Regierung gelenkt. Manche Staaten schotten sich auch nach außen hin ab (zum Beispiel das frühere kommunistische Albanien oder heutzutage noch Nordkorea). Auch dadurch werden die Menschen und die ausländischen Reporter in Unwissenheit über die tatsächlichen Zustände gehalten. In den meisten Diktaturen gibt bzw. gab es eine Geheimpolizei, die politische Gegner einschüchtert und verfolgt. Im Dritten Reich verfolgte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Juden, Sozialdemokraten, Kommunisten, Geistliche, Sinti und Roma. In der DDR überwachte die Staatssicherheit (Stasi) die Bürger. Die Sowjetunion bediente sich des NKWDs, der später in NKGB umbenannt wurde und mit dem MGB (=Ministerium für Staatssicherheit), ab 1953 MWD (=Ministerium für innere Angelegenheiten) zusammenarbeitete. Nicolae Ceauşescu verfolgte seine Gegner bzw. die vermeintlichen Dissidenten durch die Securitate. Die Geheimpolizei wirbt häufig Spitzel in der Bevölkerung an, teilweise gibt es ein regelrechte Spitzelunwesen (zum Beispiel in der früheren Sowjetunion unter Stalin). Denunzianten kommen ihnen zur Hilfe und melden jeden verdächtigen Vorfall, so dass in der Bevölkerung ein Klima der Angst entsteht. Diese Einschüchterung trägt dazu bei, dass kaum jemand mehr wagt, offen seine Meinung auszusprechen. Die Folter geschieht häufig im Verborgenen, nämlich im Polizeigewahrsam, im Gefängnis, in Amtszimmern oder weit abgelegen in Straflagern.

Wahlen

In demokratischen Staaten sind die Wahlen allgemein, frei, gleich und geheim. Das heißt, alle Erwachsenen haben das Wahlrecht, alle Stimmen sind gleichwertig und die Stimmabgabe wird nicht eingeschränkt oder überprüft. Insofern wählt das Volk tatsächlich seine Vertreter ins Parlament und bestimmt im Idealfall, wer es regiert. In einer Diktatur dagegen werden die Wahlen manipuliert, zum Beispiel werden die Wähler bei der Stimmabgabe beobachtet oder auch "ungültige" Stimmen als Ja-Stimmen gezählt. Leute, die mit "Nein" stimmen oder deren Stimme ungültig ist, werden eingeschüchtert, verhaftet oder sie "verschwinden" einfach.

Diktatur nach sozialistischer Theorie

In der sozialistischen Theorie versteht man unter Diktatur die Herrschaft einer sozialen Klasse. So bezeichnete die DDR ihre eigene Herrschaftsform selbst als Diktatur des Proletariats, die der kapitalistischer Länder wie der USA oder Bundesrepublik als Diktatur der Bourgeoisie sowie den Faschismus und Nationalsozialismus als Offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals. Dieser Unterschied in der Definition ist zu beachten, wenn man die entsprechenden theoretischen Texte verstehen will. In der Praxis wies die DDR die Merkmale einer Diktatur im klassischen Sinne auf.

Diktaturen der jüngsten Geschichte und Gegenwart


- Ägypten
- Angola
- Äquatorialguinea
- Bahrain
- China
- Elfenbeinküste
- Eritrea
- Gabun
- Iran
- Katar
- Kuba
- Kuwait
- Libyen
- Mauretanien
- Myanmar
- Nordkorea
- Oman
- Pakistan
- Ruanda
- Saudi-Arabien
- Simbabwe
- Syrien
- Togo
- Tschad
- Tunesien
- Turkmenistan
- Vatikanstaat
- Vereinigte Arabische Emirate
- Weißrussland
- Zentralafrikanische Republik

Historische Beispiele


- Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, Adolf Hitler ist die zentrale Gestalt der NSDAP-Diktatur von 1933 bis 1945 (andererseits war Hitlers Machtergreifung das Ergebnis einer legalen Ernennung durch den Reichspräsidenten)
- Austrofaschistische Diktatur in Österreich durch Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg von 1933 bis 1938 (siehe auch Klerikalfaschismus)
- Franco-Diktatur in Spanien (siehe auch Klerikalfaschismus)
- Mussolini-Diktatur in Italien (siehe auch Faschismus)
- Stalinistische bzw. maoistische Diktatur in der UdSSR und China
- Diktatur der Roten Khmer in Kambodscha, Pol Pot ist dabei die zentrale Figur (1975-1979)
- Augusto Pinochet in Chile
- Manuel Noriega in Panama
- Somoza-Clan in Nicaragua
- Militärjunta in Griechenland (1967-1974)
- Militärdiktatur in der Türkei (1960-1961, 1980-1983)
- Einparteiendiktatur in Portugal (1932-1974) und in der DDR (1949-1990)
- Diktatur Saddam Husseins im Irak (1979-2003)
- Diktatur Mobutus in Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo) (1965-1997)
- Zentralafrikanisches Kaiserreich (heute: Zentralafrikanische Republik) unter Kaiser Bokassa (1966-1979)
- Rumänien unter König Carol II. (1930 bis 1940) und unter stalinistischer Diktatur (Nicolae Ceauşescu, 1974 bis 1989)
- Jugoslawien unter König Alexander I. (1918 bis 1941) und unter titoistischer Diktatur (1945 bis 1991)
- Syrien unter der Erbdiktatur der Dynastie al-Assad (1970-2005)

Zitate


- „Sie können umbringen, wen Sie wollen - Ihr Nachfolger wird nicht dabei sein.“ Ernst Jünger
- „Wer eine Diktatur errichtet, stirbt eines natürlichen Todes, wenn er umgelegt wird.“ Rolf Hochhuth

Siehe auch


- Ideologie
- Diktator
- Despotismus Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Staatsform ! ja:独裁政治 simple:Dictatorship

Autoritärer Staat

Der Begriff autoritärer Staat stammt aus der Politikwissenschaft. Er bezeichnet ein politisches System, das keine politische Opposition zulässt. Die Wahlen sind so gelenkt bzw. die Wähler so eingeschüchtert, dass die herrschende Partei immer die Mehrheit gewinnt.

Unterschiede zwischen autoritärer und totalitärer Regierung

Die autoritäre Regierungsform lässt dem Einzelnen noch gewisse Freiräume, wie zum Beispiel die Ausübung der Religion, die Freizeitbeschäftigung oder private Weiterbildung. Der totalitäre Staat dagegen versucht, die Bürger vollständig zu kontrollieren und nimmt den Einzelnen völlig in Anspruch. In einem totalitären System muss der Einzelne dem Staat auch seine Freizeit opfern, beispielsweise in der Hitler-Jugend oder im Komsomol.

Beispiele für autoritäre Staaten

Komsomol Beispiele für autoritäre Systeme waren oder sind
- Haiti unter "Papa Doc",
- Kuba unter Fidel Castro,
- Präsident Suharto in Indonesien und
- Bokassa in Zentralafrika. Hauptmerkmale ihrer Herrschaft waren die Zensur der Presse, die Verfolgung der politischen Gegner und Inhaftierung von Missliebigen. Kategorie:Staatsform Kategorie:Politischer Begriff

Siehe auch


- Totalitarismus

Massenorganisation

Massenorganisation bezeichnet eine Organisation, die über eine große Anzahl Mitglieder verfügt, die außer der Zustimmung zu den Zielen der Organisation keine besonderen Voraussetzungen für die Mitgliedschaft mitbringen müssen, im Gegensatz etwa zur Mitgliedschaft in einer Kaderorganisation. Typische Massenorganisationen sind Gewerkschaften und Sportverbände.

Massenorganisationen in der DDR

Nach Lenin sollten diese als so genannte "Transmissionsriemen" der Parteipolitik, also der die führende Rolle innehabenden, marxistisch-leninistischen Partei, fungieren. In der DDR waren sie teilweise Organisationen, die bereits bestanden hatten und einem sozialistischen Dach untergeordnet wurden. Damit versuchten Partei und Staat die Massen zu beeinflussen. Sie waren zum Teil, wie der FDGB oder der DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands), sogar ins Parlament wählbar. Neben dem FDGB war die FDJ eine der wichtigsten Massenorganisationen.

Massenorganisationen im Dritten Reich

Im Zuge der Gleichschaltung im Nationalsozialismus wurden sämtliche Gewerkschaften, Parteien und Verbände verboten bzw. in Massenorganisationen überführt, die jeweils in Organisation und Ausrichtung der Ideologie des Programmes der NSDAP entsprachen. Dazu gehörten neben der Partei selbst:
- Hitler-Jugend (HJ)
- Deutsche Arbeitsfront (DAF)
- Reichsarbeitsdienst (RAD)
- Bund Deutscher Mädel (BDM)
- Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund (NDStB)
- Nationalsozialistisches Kraftfahrerkorps (NSKK)
- Berufs- und Standesorganisationen wie der Reichsnährstand, Nationalsozialistischer Rechtswahrerbund (NSRB) usw.

Siehe auch


- :Kategorie:Massenorganisation (DDR)
- :Kategorie:Organisation (Nationalsozialismus) Kategorie:Politik

Italien

Italien (italienisch Italia) ist ein Staat in Europa am Mittelmeer. Angrenzende Staaten sind Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowenien, sowie die Enklaven San Marino und die Vatikanstadt (in Rom). Zu Italien gehören die Mittelmeer-Inseln Sizilien, Sardinien und Elba. Italien ist unter anderem bekannt für seine Küche, Mode- und Designerartikel, Bekleidungsindustrie, Architektur, Kunst, Musik und Touristenziele.

Geografie

Die Form des Landes erinnert an die eines Stiefels. Diese Halbinsel wird vom einem Gebirgszug, dem Appenin, in der Längsachse durchzogen. Im Norden gehört ein Teil der Alpen zu Italien. Entlang der Westküste Italiens ziehen sich von Norden in Richtung Süden u. a. die Italienische Riviera in Ligurien, die Etruskische Riviera in der Toskana sowie der Golf von Neapel in Kampanien. Die Ostküste wird von Triest im Norden bis zum Gargano im Norden Apuliens (nach anderen Darstellungen: bis zur Straße von Otranto) als die Italienische Adriaküste bezeichnet. Siehe auch Riviera. Die längsten Flüsse sind Po, Etsch, Arno und Tiber. Zu den größten italienischen Seen zählen der Gardasee, der Lago Maggiore und der Comer See in Oberitalien sowie der Lago di Bolsena und der Lago Trasimeno in Mittelitalien. Neben dem Vesuv auf dem italienischen Festland stehen auf italienischen Inseln gleich zwei weitere bekannte Vulkane: der Ätna und der Stromboli (und weitere kleinere um Sizilien herum). Neben der Hauptstadt Rom sind die bedeutendsten Städte Mailand, Neapel, Genua, Turin, Venedig, Bologna, Florenz, Bari, Catania und Palermo. Der höchster Berg Italiens ist der Mont Blanc de Courmayeur 4.748 m.

Bevölkerung

Italien hat eine Einwohnerzahl von 58.462.375 Einwohnern und rangiert in der Weltrangliste auf Platz 22, innerhalb der Europäischen Union liegt das Land auf dem 4. Rang hinter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Stadt- und Landbevölkerung

Rund 67% der Einwohner Italiens, vornehmlich im Norden, leben in Städten. Vor allem von 1950 bis 1960 herrschte eine starke Abwanderung aus den unterentwickelten Landregionen in die Städte (Landflucht). Seit den 1980er Jahren hat sich dieser Trend zu Gunsten der Vororte und Kleinstädte umgekehrt.

Größte Städte

(Einwohner 31. Dezember 2004)

- Rom - 2.553.873
- Mailand - 1.299.439
- Neapel - 995.171
- Turin - 902.255
- Palermo - 675.277
- Genua - 605.084
- Bologna - 374.425
- Florenz - 368.059
- Bari - 328.458
- Catania - 305.773
- Venedig - 271.251
- Verona - 259.068
- Messina - 247.592
- Padua - 210.821
- Triest - 207.069
- Tarent - 201.349 (Stand 2001)
- Brescia - 192.164
- Reggio di Calabria - 183.041
- Prato - 180.674
- Modena - 180.110
- Parma - 174.471
- Cagliari - 161.465

- Perugia - 157.842
- Livorno - 155.986
- Reggio nell'Emilia - 155.191
- Foggia - 154.780
- Ravenna - 146.989
- Salerno - 135.818
- Rimini - 134.700
- Ferrara - 131.907
- Sassari - 124.929
- Siracusa - 123.332
- Pescara - 122.577
- Monza - 122.263
- Bergamo - 116.510
- Vicenza - 113.483
- Latina - 111.946
- Forli - 111.495
- Trient - 110.142
- Terni - 108.999
- Giugliano in Campania - 105.951
- Novara - 102.746
- Ancona - 101.797

Lebenserwartung

Italien ist nach Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung der Welt. Sie beträgt bei Männern 78 Jahre, bei Frauen rund 83. Rund 19 % der Italiener sind älter als 65 Jahre. Die Italiener führen somit in Europa vor den Griechen und den Schweden die Liste der "langlebigsten" Bevölkerung an. Als Grund wird häufig die italienische Küche, also die mediterrane Ernährung,angeführt.

Religiöse Zugehörigkeit

Mit 83,2 % Katholiken und 16,2 % Konfessionslosen ist Italien ein katholisch geprägtes Land. Nur 0,6 % der Einwohner gehören anderen Religionen an, darunter 231.226 Zeugen Jehovas und 35.000 Juden sowie Protestanten und Muslime. Die Katholische Kirche ist traditionell sehr stark in Italien, was sich in einer hohen Zahl an Priestern (25,823) und Kardinälen (38) wiederspiegelt [http://www.nationmaster.com/red/country/it/Religion&b_cite=1].

Sprachen

Neben der Amtssprache Italienisch gibt es noch die regionalen Amtssprachen Deutsch, Französisch, Ladinisch und Slowenisch. Darüber hinaus stehen weitere Minderheitensprachen unter besonderem Schutz (durch die Verfassung und ein präzisierendes Gesetz aus dem Jahr 1999): Albanisch, Katalanisch, Griechisch, Kroatisch, Franko-Provenzalisch, Furlanisch, Okzitanisch und Sardisch. Zum Teil streben die jeweiligen Gemeinschaften einen Ausbau ihrer Sprache zur Amtssprache an.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Italiens Italien, vor allem Mittel- und Süditalien, ist schon seit der Antike ein wichtiges europäisches Kulturzentrum und war Zentrum des Römischen Reichs. Nach dem Einfall der Goten zersplitterte das Land in viele kleine Staaten und wurde so zu einem „politischen Spielball“ der umliegenden Großmächte. In der Risorgimento-Epoche, Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde Italien unter Vorherrschaft des Königreichs Piemont-Sardinien, vor allem durch die Freiwilligenverbände unter Giuseppe Garibaldi, zum Königreich Italien vereinigt. Da Italien sich zu Beginn des ersten Weltkriegs aus dem Dreibund gelöst hatte und der Entente beigetreten war, konnte das Königreich auf der Seite der Siegermächte das österreichische Südtirol annektieren. Im Oktober 1922 übernahmen Benito Mussolini und seine Fascii genannten Gefolgsleute durch den Marsch auf Rom die Macht in Italien. Schritt für Schritt wandelte Mussolini das Königreich in einen totalitären Staat um und setzte sich, ähnlich wie später Hitler, selbst als "Duce" an die Spitze von Volk und Staat. Noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges überfiel Italien Abessinien, diese völkerrechtswidrige Besetzung war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das alte (antike) Römische Reich wieder aufleben zu lassen. Durch verschiedene Abkommen band sich Mussolini an das Deutsche Reich und Adolf Hitler. Schließlich trat Italien auf der Seite der Achsenmächte, nach merklichem Zögerns des Duce, in den Zweiten Weltkrieg ein. Mit dem Rückzug der italienischen Truppen vor den anrückenden Alliierten und dem Sturz der faschistischen Regierung in Rom im Herbst 1943, wechselte Italien die Fronten und erklärte nunmehr seinem vormals Verbündeten den Krieg. Der folgende Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde mit dem Widerstand der Resistenza beantwortet. Als sich die deutschen Verbände im Juni 1944 bis zur „Gotenlinie“ im Apennin zurückzogen und italienische Partisanen ihre Überfälle auf deutsche Soldaten verstärkten, kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung und weiteren schweren Kriegsverbrechen durch die deutschen Besatzer. Am 28. April 1945 kapitulierten die Wehrmachtsverbände in Italien vor den Westalliierten . Durch den Frontwechsel blieb Italien nach Kriegsende von größeren Gebietsabtretungen verschont. (Umland von Triest an Jugoslawien bzw. Slowenien und Kroatien, Dodekanes an Griechenland, kleinere Grenzberichtigungen zugunsten von Frankreich). Die jüngste Geschichte Italiens zeichnet sich durch häufige Regierungswechsel und hohe Inflation aus. Italien ist Gründungsmitglied der Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (Vorläufer der EU) und hat 2001 seine Währung „Lira” durch den Euro abgelöst.

Politik

Hauptartikel: Italienische Politik Italien ist seit 1946 eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, das Parlament besteht aus zwei Kammern (Abgeordnetenkammer und Senat), die alle fünf Jahre gewählt werden und absolut gleichberechtigt sind. Regierungschef ist der Ministerpräsident, seit 2001 Silvio Berlusconi. Zudem ist Italien Mitglied in mehreren überstaatlichen Organisationen. Mit dem 4. April 1949 erfolgte der Eintritt in die NATO. Seit dem 14. Dezember 1955 gehört Italien den Vereinten Nationen an. Zudem ist das Land als Gründungsmitglied der Europäischen Union am 1. Januar 1958 ein bedeutender Ansprechpartner in Europa. Siehe auch: Liste der italienischen Premierminister

Schulwesen und Bildung

Hauptartikel: Schulsystem in Italien Das Schulwesen Italiens ist - vor allem im Pflichtschulbereich - durch große Einheitlichkeit gekennzeichnet. Die wesentlichen Bestimmungen für Unterricht und Erziehung sind in Mailand nicht anders als in Palermo. Unterschiede gibt es lediglich im Bereich der beruflichen Bildung, die zum Kompetenzbereich der einzelnen Regionen gehört. Das Schulsystem gliedert sich in folgende drei Bereiche: Kindergarten (scuola dell' infanzia, 3-6), Pflichtschule (scuola elementare, 6-11; scuola media 11-14) , Oberstufe (Liceo: classico, scientifico, linguistico, artistico, economico, tecnologico, musicale, delle scienze umane; 14-19). Die früheren Fachoberschulen (istituti tecnici), die auch schon früher zur allgemeinen Hochschulreife führten, werden in Gymnasien umgewandelt. Italien hat in der Fremdsprachenausbildung in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht: Englisch wird bereits in der Grundschule unterrichtet, eine zweite lebende Fremdsprache kommt in der Sekundarstufe I dazu. Die 5-jährigen Gymnasien sehen daneben i.d.R. Lateinunterricht vor, beim altsprachlichen Liceo Classico kommt noch Griechisch dazu. Die Schulpflicht ist 2004 von 9 Jahren (6-15) auf 12 Jahre (6-18) verlängert worden. Wer bereits nach der 12. Klasse das Gymnasium ohne Abitur (Diploma di Maturitá, 13. Klasse) verlässt, erhält automatisch eine Zugangsberechtigung zu einer Art Fachhochschule. Wer mit 14 nicht auf das Gymnasium gehen will, muss eine Ausbildung an einer regionalen Berufsfachschule machen (die u.U. mit einer Staatsprüfung und dem beruflichen Abitur abgeschlossen werden kann). Nach dem ersten Ausbildungsjahr kann alternativ eine betriebliche Ausbildung durchgeführt werden. Wer vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreicht, wird von der zwölfjährigen Schul- und Ausbildungspflicht freigestellt.

Gesundheit und Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in Italien ist wie in GB als nationaler Gesundheitsdienst stukturiert. Die Hausärzte erhalten eine Kopfpauschale für die Patienten, die in einer Liste registriert wurden. Negativ wird die lange Wartezeit auf stationäre Behandlung gesehen. Trotzdem hat die WHO in einem Ranking der Gesundheitssysteme Italien nach Frankreich auf den 2. Platz gestellt. Die statistisch etwas längere Lebenserwartung wird mit einer sog. mediterranen Kost erklärt. Diese enthält z.B. viel Fisch und Olivenöl. Leider ist auch in Italien Übergewichtigkeit auf dem Vormarsch.

Politische Gliederung

WHO Italien ist politisch in 20 Regionen (regioni) mit jeweils eigener Regierung gegliedert, die allerdings weniger Kompetenzen haben als etwa die deutschen Bundesländer oder gar die Schweizer Kantone. Diese Regionen sind in insgesamt 108 Provinzen (province) und diese in Gemeinden unterteilt. Fünf Regionen haben einen Sonderstatus (statuto speciale), das ihnen eine größere Autonomie gewährt; diese sind in der folgenden Liste mit einem Stern markiert.
- Abruzzen (Abruzzo)
- Aostatal (Valle d'Aosta)
-
- Apulien (Puglia)
- Basilikata (Basilicata)
- Emilia-Romagna
- Friaul-Julisch Venetien (Friuli-Venezia Giulia)
-
- Kalabrien (Calabria)
- Kampanien (Campania)
- Latium (Lazio)
- Ligurien (Liguria)
- Lombardei (Lombardia)
- Marken (Marche)
- Molise
- Piemont (Piemonte)
- Sardinien (Sardegna)
-
- Sizilien (Sicilia)
-
- Toskana (Toscana)
- Venetien (Veneto)
- Trentino-Südtirol (Trentino-Alto Adige)
-
- Umbrien (Umbria) Siehe: Liste der italienischen Regionen, Liste der italienischen Provinzen

Wirtschaft

Italien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Die italienische Wirtschaft ist die sechstgrößte der Welt (2003) und ist bezüglich ihres BIP mit der Frankreichs und Großbritanniens vergleichber. Italien besitzt, bis auf einige Erdgasvorkommen in der Poebene und in der Adria kaum natürliche Ressourcen wie Eisen, Kohle oder Öl. Die Stärke der italienischen Wirtschaft liegt im verarbeitenden Gewerbe, vor allen in kleinen und mittelständischen familiengeführten Unternehmen. Zu den wichtigsten Industrien zählen der Maschinenbau, Autos, Chemie, Pharmaprodukte, elektronische Produkte, Mode und Kleidung. Seit 2002 ist der Euro in Italien gesetzliches Zahlungsmittel. Dieser löste die italienische Lira ab. Italien ist mit ca. 52 Millionen Hektolitern der zweitgrößte Weinproduzent der Welt (nach Frankreich, Stand: 2000). Siehe hierzu Weinbau in Italien Zu den wichtigsten italienischen Exportgütern zählen Maschinenbauerzeugnisse, Textilien/Bekleidung, Kraftfahrzeuge und Erzeugnisse der chemischen Industrie Italien hatte bis 1990 einige Atomkraftwerke. Ausgelöst durch die Tschernobyl-Katastrophe führte Italien ab 1987 einen schrittweisen Atomausstieg durch. 1990 wurde das letzte italienische Atomkraftwerk abgeschaltet. Heute importiert Italien seinen Strom überwiegend aus Frankreich und der Schweiz.

Nord-Süd-Gefälle

Charakteristisch für Italien ist die Zweiteilung des Landes. Der stark industrialisierte Norden mit seinen großen Wirtschaftzentren und Metropolen Mailand, Turin und Genua verfügt über einen gut entwickelten Dienstleistungssektor und ist somit wirtschaftlich mit den nördlichen Nachbarländern vergleichbar. Der Süden des Landes, auch Mezzogiorno genannt, ist eine der strukturschwächsten Regionen der EU-15 und ist noch immer stark landwirtschaftlich geprägt. Die Folge daraus sind sehr hohe Arbeitslosenraten, die für die Jugend Extreme annimmt, eine erhöhte Kriminalitätsrate und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen, das besonders in Kalabrien und auf Sizilien die Macht über viele Wirtschaftszweige ausübt.

Kultur

Italien hat in Europa schon sehr früh eine entscheidende Rolle in Kunst und Kultur gespielt. Die römische Antike war in der Zeit des Römischen Reiches Vorbild aller Bauwerke Europas. Auch im Mittelalter und in der Zeit der Renaissance war Italien das Ausgangsland der europäischen Kunst, Kultur und Forschung. Auf dem Gebiet der Malerei, Bildhauerei und Architektur brachte Italien eine Fülle bedeutender Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, Botticelli, Raphael, Fra Angelico und Michelangelo hervor. Italien ist weltbekannt für seine Kunst und Kultur, für seine Gebäude wie das Kolosseum und der schiefe Turm von Pisa, genauso wie für sein Essen (Pizza, Pasta, etc.), Wein, Lebensart, Eleganz, Design, Film, Theater, Literatur, Poesie, Malerei, Musik (insbesondere die Oper) und allgemein gesprochen, für guten Geschmack.

Bedeutende Personen Italiens

Hauptartikel: Liste berühmter Italiener

Feiertage

Medien

Italien verfügt über ein sehr großes Netz an Massenmedien. Neben der traditionellen Zeitung und dem Fernsehen setzt sich immer stärker das Internet durch. Das Mobiltelefon hat einen sehr großen Erfolg in Italien erlebt, der immer noch anhält. Dabei haben Prepaid-Karten die Überhand, da die Tarife im Vergleich mit anderen Staaten der EU, vor allem aber mit Postpaid-Tarifen billig sind. Die Organisation Freedom House stufte die italienischen Medien 2004 von "frei" auf "teilweise frei" herab. Dies lässt sich mit dem zunehmenden und großen Einfluss Silvio Berlusconis auf das italienische Fernsehen und Teile der italienischen Presse zurückführen.

Presse

Die italienische Tagespresse hat ein Angebot aus überregionalen Zeitungen und vielen regional sehr bedeutsamen Blättern. Sie unterscheiden sich weniger in ihrem Inhalt als viel mehr in ihrer Verbreitung und Prestige. Neben den großen Tageszeitungen La Repubblica aus Rom, Il Corriere della Sera aus Mailand und La Stampa aus Turin existieren viele bedeutsame Lokalzeitungen, z. B. La Nazione aus Florenz oder Il Mattino aus Neapel. Sowohl die Zeitungen regionalen als auch überregionalen Charakters haben inhaltlich Nachrichten aus In- und Ausland, regionale und lokale Geschehnisse werden ebenfalls in den großen Tageszeitungen erwähnt. Die meisten Tageszeitungen nennen sich zwar quotidiano indipendente, also "täglich unabhängig" sind jedoch mehr oder weniger von politischen und kommerziellen Interessen beeinflusst. Die Bezeichnung stammt daher, weil sie sich von den reinen Parteizeitungen wie der kommunistischen L'Unita oder der christlich-demokratischen Il Popolo unterscheiden, welche ihre Parteizugehörigkeit nicht leugnen. Die meisten Tageszeitungen sind in einer relativ anspruchsvollen Aufmachung und Gestaltung, es wird sehr bewusst nach einem qualitativen und intellektuellen Schreibstil gestrebt. Dennoch wird im europäischen Vergleich in Italien wenig Zeitung gelesen, Italien rangiert dabei relativ weit unten. Die Bandbreite der italienischen Wochenzeitschriften ist vergleichbar mit der des deutschsprachigen Raumes. Dabei kann man auch die Unterscheidung zwischen Klatschpresse und anspruchsvollen Magazinen erkennen. Doch auch populäre Wochenzeitschriften, z. B. Oggi, Gente oder La Domenica del Corriere, bemühen sich um sehr hohe Qualität. Einige Tageszeitungen geben ebenfalls Sonntagsausgaben heraus.

Rundfunk und Fernsehen

Die drei nationalen Radioprogramme sowie die Fernsehsender RAI Uno, RAI Due sowie RAI Tre sind unter der staatlich kontrollierten Organisation RAI-TV zusammengefasst. Daneben existieren eine große Menge verschiedener Privatsender, die ihre Stationen in fast jeder größeren Stadt haben. Diese finanzieren sich durch einen sehr hohen Anteil an Werbung, das Programm besteht zu großen Teilen aus Musik und Shows. Dennoch ist die Qualität der Privatanstalten sehr differenziert. Einige wenige etablierte Sender schlossen sich zu einem großen Sendernetz zusammen, andere hingegen beschränken sich auf die Ausstrahlung von Filmen, deren Qualität teilweise fraglich ist. Insgesamt existieren in Italien rund 1.700 Fernsehanstalten, die rund 30 Millionen Zuschauer erreichen. Unbestritten ist dabei der große Einfluss des amtierenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf die Medien. Seit seiner Präsidentschaft nimmt er auch zunehmend Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Medien, etwa auf die Organisation RAI. Weiterhin sind drei italienweit terrestrisch empfangbare Sender im Privatbesitz Berlusconis. Unter dem Namen Mediaset sind die Privatsender Canale 5, Italia 1 und Rete 4 zusammengefasst. Berlusconi hat diese Sender in den Jahren 1980-1984 aufgekauft und sie erreichen täglich ein Millionenpublikum und strahlen populäre Sendeformate wie Reality Shows und Sportübertragungen aus. In die Kritik gerieten die Sender vor allem durch die einseitige innenpolitische Berichtserstattung während der letzten Präsidentschaftswahlen in Italien.

Sport

Die beliebteste italienische Sportart ist der Fußball (
Calcio). Der italienische Fußball verfügt über sehr bekannte Fußballvereine, die bei internationalen Turnieren viele Erfolge errangen. Diese Vereine sind Juventus Turin, Inter Mailand, AC Mailand, Lazio Rom, AS Roma, AC Parma. Vor allem in den nördlichen Landesteilen, im Aostatal, im Veltlin und in Südtirol hat der Skisport große Beliebtheit erlangt. Viele Touristen verbringen ihren Urlaub in der Nähe einer dieser italienischen Skigebiete. Zwei der heutzutage bekanntesten Skifahrer bei den Herren ist Giorgio Rocca und bei den Damen Isolde Kostner. Der im Ausland vermutlich berühmteste italienische Skifahrer ist Alberto Tomba. Italien gilt als ein Radsportland. Der Giro d'Italia gilt nach der Tour de France als zweitbedeutendstes Radrennen der Welt. Wichtige Eintagesrennen, die zu den Klassikern gerechnet werden, sind Mailand-San Remo und die Lombardei-Rundfahrt. Zu den wichtigsten Radsportlern gehören unter anderem der verstorbene Marco Pantani und Mario Cipollini bzw in der Radsportgeschichte Fausto Coppi und Gino Bartali. Daneben gehören Basketball und Volleyball in Italien zu den beliebtesten Sportarten.

Weblinks

20px Wiki-Portal Italien
- [http://www.infoitalien.de/ Seite der ENIT, des Staatlichen Italienischen Fremdenverkehrsamts]
- [http://www.italien-inseln.de/italia/index.html Italien - Inseln & Regionen]
Kategorie:Staat Kategorie:Land in der EU Kategorie:Mittelmeer als:Italien fiu-vro:Itaalia ja:イタリア ko:이탈리아 ms:Itali simple:Italy th:ประเทศอิตาลี zh-min-nan:Italia


Benito Mussolini

Benito Amilcare Andrea Mussolini (
- 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio in der Emilia-Romagna; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra am Comer See, erschossen) war von 1922 bis 1943 faschistischer Diktator Italiens. Mussolini war während der gesamten Zeit Ministerpräsident und Capo del Governo, außerdem zeitweise u.a. auch Außen- und Innenminister. Als Führer der faschistischen Bewegung bzw. des faschistischen Regimes führte er den Titel Duce del Fascismo.

Leben

Italien Italien Mussolinis Vater war ein politisch linksgerichteter Demagoge in der italienischen Romagna, der seinem Sohn bewusst den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juarez gab. Entsprechend entwickelte sich Mussolini, von Beruf Volksschullehrer. Zunächst engagierte er sich ab 1901 beim sozialistischen Partito Socialista Italiano (PSI) und stieg dort bis 1912 in das Exekutiv-Komitee auf. Er wurde Chefredakteur der linksgerichteten Tageszeitung "Avanti". Wegen Desertion, Aufrufen zu Generalstreiks (z.B. gegen den italienischen Einmarsch in Libyen 1911) und ähnlichen Aktionen verbüßte Mussolini mehrere kurze Haftstrafen. Obwohl Mussolini 1914 das Anti-Kriegsmanifest der PSI unterzeichnete, gründete er kurz darauf die Fasci d'Azione Rivoluzionaria (FAR - Bünde der revolutionären Aktion), die für den Kriegseintritt Italiens eintrat. Daraufhin wurde Mussolini aus der PSI ausgeschlossen. Nach dem Ersten Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrte, beteiligte sich Mussolini im März 1919 in Mailand an der Gründung der Fasci di Combattimento ("Kampfbünde" - Squadristen), die eine autoritäre Ordnung und die Revision der Versailler Verträge zugunsten Italiens forderten. Die "Squadren", die paramilitärischen Verbände der "Fasci", übten unter Mussolinis Oberbefehl jahrelang Terror gegen Gewerkschafter, linke Parteien und unliebsame Politiker in Nord- und Mittelitalien aus. Zwei Jahre später zogen die Faschisten unter Mussolinis Führung mit 34 Abgeordneten in das italienische Parlament ein. Mussolini wandelte die Fasci im November 1921 in die Nationale Faschistische Partei (PNF) um. TerrorWährend einer sich zuspitzenden innenpolitischen Krise ging Mussolini mit faschistischen Milizen, den Squadristen, in Straßenkämpfen, vor allem aber in sogenannten "Strafexpeditionen" in ländlichen Gebieten und mit Fabrikbesetzungen, gegen die Gewerkschaften, die Sozialisten und die gemäßigten Parteien vor. Die Squadren finanzierten sich u.a. durch Werksschutz-Aufträge der Industrie. Der italienische Staat ließ aus Furcht vor einer proletarischen Revolution nach russischem Vorbild die mehrheitlich aus mittelständischen Verhältnissen stammenden, aber auch aus vielen Studenten und ehemaligen Soldaten bestehenden Fasci gewähren. Die Mitgliederzahlen der Fasci stiegen von 20.000 im Jahr 1920 auf nahezu 200.000 im Jahr 1921. Aufgrund der Unruhen traten in kurzer Folge mehrere Regierungen zurück. Daraufhin organisierte Mussolini 1922 mit 26.000 Faschisten einen Sternmarsch (später aus Propagandagründen "Marcia su Roma" - Marsch auf Rom genannt, so auch der Titel des Tagebuches von Italo Balbo) der am 28. Oktober nach zwei Tagen vor der Hauptstadt eintraf. Mussolini selbst reiste später im Schlafwagen von Mailand aus an. Wohl aus Angst um seinen Thron weigerte sich König Viktor Emanuel III., den Belagerungszustand auszurufen, und ernannte Mussolini zum Ministerpräsidenten. 1924 wurde der sozialistische Oppositionspolitiker Matteotti erschossen. Indizien deuten darauf hin, dass Mussolini wahrscheinlich selbst den Auftrag für diesen Mord gegeben hat. In der Folge zogen die Oppositionsparteien, deren Einfluss bereits im Juli 1923 durch ein neues Wahlgesetz eingeschränkt wurde, demonstrativ aus dem Parlament aus. Mussolini nutzt die Matteotti-Krise, um die Vorherrschaft des PNF weiter auszubauen. Am 3. Januar 1925 erklärte er in einer Parlamentsrede seine politische Verantwortung für das Attentat. Im Allgemeinen wird mit diesem Datum der eigentliche Beginn der faschistischen Diktatur verbunden. 1926 wurden Oppositionsparteien verboten, zu den Wahlen 1928 traten nur noch vom PNF zugelassene Kandidaten an. Spezielle Gesetze schafften den institutionellen Rahmen, unter anderem den Gran Consiglio del Fascismo (den Faschistischen Großrat), der als gemischtes Partei- und Staatsorgan fungierte. Damit war die Umstrukturierung des italienischen Staates zu einer Diktatur abgeschlossen. Diktatur 1936 verkündete Mussolini die "Achse Rom-Berlin" und gab damit einen Bündnisvertrag mit Adolf Hitler bekannt. 1937 trat Italien aus dem Völkerbund aus und dem Antikomintern-Pakt zwischen dem Deutschen Reich und Japan bei. 1938 führte Italien antisemitische Rassengesetze ein, allerdings wohl nicht auf Anregung oder gar Druck des nationalsozialistischen Deutschen Reiches, sondern aus eigenem Antrieb zur Radikalisierung der totalitären Diktatur. Im April 1939 besetzte Mussolini Albanien, was die Fähigkeiten seiner schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Streitkräfte bereits auf das Äußerste strapazierte. Als die Deutschen durch ihren Einmarsch in Polen den Zweiten Weltkrieg begannen, verhielt sich Mussolini zunächst abwartend. Erst 1940, als deutsche Truppen die Kanalküste erreichten und ihm der Sieg sicher erschien, erklärte er England und Frankreich den Krieg - allerdings blieb der italienische Vormarsch trotz mehrfacher zahlenmäßiger Überlegenheit gegenüber der dortigen französischen Streitmacht bereits in den Alpen stecken. Sein Einmarsch in Griechenland im Oktober desselben Jahres scheiterte kläglich an dilettantischer Planung, maßloser Selbstüberschätzung und dem entschlossenen Widerstand der Griechen. Die Briten intervenierten und leisteten Luftunterstützung, mit deren Hilfe der griechische General Papagos die Invasoren zurrückschlug. Tausende italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Die Italiener wurden immer weiter nach Albanien fast bis nach Tirana zurückgedrängt. Erst mit der deutschen Invasion gegen Griechenland konnte Mussolini einen erfolgreichen Gegenangriff starten. Da die Briten eine Luftschlacht um ihr Land ausfechten mussten, glaubte Mussolini, dass die schwachen Kolonialgarnisionen in Afrika schnell überrannt werden und auf keine britische Unterstützung zählen könnten, doch auch hier gelang es den zahlmäßig weit schwächeren Streitkräften des Commonwealth, nicht nur die Invasion abzuwehren, sondern auch alle italienischen Besitzungen in Ostafrika zu okkupieren. In Nordafrika starteten die Italiener von Libyen aus einen Angriff auf Ägypten. Doch obwohl sie ihre vorgeschobene Stellung zu befestigen und auszubauen versuchten, wurden sie bei der britischen Gegenoffensive zum Rückzug gezwungen und in Libyen vernichtend geschlagen. Bereits im Laufe des Jahres 1941 verlor Mussolini den Großteil seiner Kolonialgebiete. Schon Ende 1940 versenkten britische Flugzeuge einen großen Teil der italienischen Mittelmeerflotte und brachen so die italienische Seeherrschaft. Mussolinis Konzept eines "Parallelkriegs" war damit gescheitert. Die deshalb zwangsläufig immer enger werdende Bindung an Deutschland, die Teilnahme am Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und die Kriegserklärung an die USA im Dezember besiegelten die militärische Niederlage Italiens und auch das politische Schicksal des "Duce". Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien setzte der Faschistische Großrat Mussolini am 25. Juli 1943 mit einfachem Mehrheitsbeschluss ab. Mussolini wurde verhaftet und an wechselnden Orten interniert. Inzwischen verhandelte Marschall Pietro Badoglio mit den US-Amerikanern und schloss mit ihnen einen Waffenstillstand, der am 8. September öffentlich gemacht wurde. Deutsche Truppen besetzten daraufhin Italien, befreiten Mussolini vom Gran Sasso in den Abruzzen und installierten unter seiner Führung das Marionettenregime der radikalfaschistischen Italienischen Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana, auch: Republik von Salò). Nach gescheiterten Verhandlungen mit den Partisanen versuchte Mussolini über die Schweiz nach Deutschland zu fliehen. Er wurde jedoch in Dongo am Comer See am 27. April 1945 von kommunistischen Widerstandskämpfern gefangen genommen und ohne Gerichtsverfahren zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci am 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra erschossen. Die Leichen wurden danach geschändet und öffentlich an einer Tankstelle am Piazzale Loreto in Mailand kopfüber aufgehängt. Bis heute existieren in Italien Theorien, dass Mussolini und seine Gefährten sterben "mussten", weil sie einen großen Teil des italienischen Staatsschatzes bei sich trugen (in Italien meist als oro di Dongo bezeichnet). Der größte Teil des Geldes sei in den folgenden Jahren in den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) geflossen. Der größte Teil der italienischen wie auch der internationalen Geschichtswissenschaft lehnt diese Darstellung jedoch ab. Mussolini wurde kurze Zeit später beigesetzt, sein Leichnam wurde jedoch von Faschisten entführt und erst 1957 im Beisein seiner Witwe, Rachele Mussolini, in Predappio unter dem Liktorenbündel, dem Symbol seiner Machtperiode und des Faschismus, beigesetzt.

Literatur


- Richard J.B. Bosworth: The Italian dictatorship. Problems and perspectives in the interpretation of Mussolini and fascism. London u.a.: Arnold, 1998.
- Richard J.B. Bosworth: Mussolini. London u.a.: Arnold, 2002.
- Renzo De Felice: Mussolini, 8 Bde. Turin: Einaudi, 1965-1997.
- Brunello Mantelli: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus. Berlin: Wagenbach, 1999.
- Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action francaise, der italienische Faschismus, der Nationalsozialismus. München: Piper, 1963. (zuletzt Neuausgabe 2000)

Siehe auch


- Giovinezza
- Faschismus
- Marsch auf Rom

Weblinks


- [http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MussoliniBenito/index.html www.dhm.de/] LeMO-Biografie
- [http://derstandard.at/?url=/?id=882638 derstandard.at/] Die Slowenen und Kroaten unter Mussolini Mussolini, Benito Mussolini, Benito Mussolini, Benito Mussolini, Benito Mussolini, Benito Mussolini, Benito ja:ベニート・ムッソリーニ simple:Benito Mussolini

Kommunismus

Kommunismus (vom lateinischen communis = "gemeinsam") bezeichnet nach allgemeinem Verständnis das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft, in der die sozialen Unterschiede zwischen den Menschen aufgehoben sind und das erwirtschaftete Sozialprodukt allen gehört. Dieses Ziel setzt nach der von Karl Marx (1848) geprägten Auffassung die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und dessen Überführung in Gemeinbesitz (Vergesellschaftung) voraus.

Überblick

Der Begriff "Kommunismus" wurde in historisch verschiedenen Zusammenhängen gebraucht und erhielt in den Konflikten kommunistischer Richtungen untereinander divergierende Bedeutungen. Daher bezeichnet er heute mehrere Gesellschaftsentwürfe, deren Umsetzungsversuche und Zielvorstellungen:
- Urkommunismus: eine vermutete, in manchen Überlieferungen belegte Gütergemeinschaft vor-antiker Gesellschaften. Sie wurde im Judentum Bestandteil der Heilserwartung und dort wie später auch im Christentum als "Liebeskommunismus" ansatzweise praktiziert.
- in verschiedenen Entwürfen des „utopischen“ bzw. des "Frühsozialismus": die soziale, nicht nur politisch-rechtliche Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Besitz (Gemeineigentum, Kollektiv). Dies wurde aus der Gleichheitsforderung der Französischen Revolution von 1789 abgeleitet und in der Pariser Kommune von 1871 als erstem proletarischen Revolutionsversuch in Ansätzen realisiert.
- im Marxismus: die "klassenlose Gesellschaft", die in den sich zuspitzenden Klassengegensätzen des Kapitalismus angelegt und nur durch eine soziale Revolution und anschließende Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu erreichen ist. Sie setzt eine hoch entwickelte kapitalistische Industriegesellschaft voraus und zielt auf das "Absterben" des Staates nach der Übergangsphase einer Diktatur des Proletariats. Die Aufhebung der Klassengegensätze wird durch die weltweite gemeinsame Organisation der Produktion ermöglicht
- im anarchistischen Kommunismus und Anarchosyndikalismus: das Konzept einer Arbeiterselbstverwaltung ohne die Führung einer Parteielite, verwandt mit rätedemokratischen Strukturen (Pierre Joseph Proudhon - vgl. auch Proudhonismus -, Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Gustav Landauer).
- im Leninismus: die „Diktatur des Proletariats“ als Alleinherrschaft einer revolutionären Kaderpartei, die die Staatsmacht erobert, um dann die klassenlose Gesellschaftsordnung durchzusetzen und die Rückkehr neuer kapitalistischer Klassenherrschaft ("Konterrevolution") zu verhindern. Damit wurde der Begriff seit der russischen Oktoberrevolution 1917 auf die Sowjetunion, die von ihr beherrschten Staaten Osteuropas, die Volksrepublik China und Kuba angewandt ("real existierender Sozialismus"). So verstehen ihn auch die K-Gruppen, die sich entweder an einen oder mehrere der bestehenden "kommunistischen" Staaten anlehn(t)en.
- im (orthodoxen) Trotzkismus, der auf die Theorien Leo Trotzkis nach seinem Zerwürfnis mit Stalin und nach seiner Ausweisung aus der UdSSR zurück geht, die Theorie der permanenten Revolution, nach der der Kommunismus im Gegensatz zur in der Sowjetunion geltenden Formulierung des „Aufbaus des Sozialismus in einem Land “ nur weltweit, also durch eine Weltrevolution durchgesetzt werden könne.
- im Eurokommunismus und Reformkommunismus: die Programmatik europäischer Parteien und Gruppen, die einen eigenständigen Kommunismus auf parlamentarischem Weg und Mischformen zwischen Privat- und Staatseigentum an Produktionsmitteln anstreb(t)en.
- in der Kritischen Theorie: die Herausbildung eines neuen "revolutionären Subjekts" aus der "formierten Gesellschaft" des Spätkapitalismus, die den "autoritären Charakter" (Erich Fromm) und "eindimensionalen Menschen" (Herbert Marcuse) sowohl des Faschismus wie auch des orthodoxen Marxismus-Leninismus überwindet. In ihrem Gefolge steht die Wertkritik von Autoren wie Michael Heinrich, Robert Kurz und Moishe Postone und die sich auf sie beziehenden "wertkritischen" und "antideutschen" Gruppen in der heutigen Bundesrepublik.

Frühkommunistische Entwicklungen

Ursprünge in der Antike

Die Vorstellung des Gemeineigentums, das das Privateigentum ablösen soll, setzt die prinzipielle Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Erwerb ihrer Lebensmittel voraus. Diese Idee ist uralt und schon in manchen Naturreligionen und den monotheistischen Religionen angelegt. In der Antike war die Sklavenhaltergesellschaft das Normale. Ausnahme war im Vorderen Orient nur das frühe, als lose Amphiktyonie organisierte Israel. Schon die ältesten Gesetzestexte der Bibel enthalten die Forderung, das Land regelmäßig so umzuverteilen, dass jeder Bauer sein Auskommen findet (Lev 25,23): :Darum sollt ihr das Land nicht verkaufen für immer. Denn das Land ist mein, und ihr seid Fremdlinge und Gäste bei mir. Die theologische Begründung lautet also: Weil alles Land nur dem Schöpfer der Welt gehört, der sich Israel als Sklavenbefreier bekannt gemacht hat (Ex 3,7), sind menschliche Besitz- und Herrschaftsprivilegien nicht ewig, sondern veränderbar. Die vermeintlichen Herren sind selber nur "Fremde" wie die, die aktuell besitzlos und von ihnen abhängig sind. Die geforderte Gleichstellung der Landbewohner sollte den verarmten, in Sklaverei geratenen Landlosen eine Zukunftsperspektive eröffnen und die Enteignung der Sklavenbesitzer anbahnen. Dieses Gesetz setzte sich jedoch historisch in Israel nicht durch. In der jüdischen Prophetie wird die gerechte Umverteilung und Überwindung der sozialen Gegensätze daraufhin fester Bestandteil der endzeitlichen Zukunftshoffnung (Jes 65,21f): :Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Diese Utopie einer gerechten Sozialordnung ohne Ausbeutung, in der alle gemeinsam leben und arbeiten und sich die Früchte ihrer Arbeit aneignen, war hier immer zugleich eine Sozialkritik an der Gegenwart (Am 5,11f): :Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt. Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, weil ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor [wo Recht gesprochen wurde] unterdrückt. Die Verheißung einer gerechten Zukunft für die aktuell Unterdrückten und Bedrängten wird hier zur scharfen Anklage gegen die Unterdrücker; außenpolitische Niederlagen werden als zwangsläufige Folge innenpolitischer Korruption des Rechts durch die Besitzenden gedeutet. Die verheißene Zukunft bildete also einen kritischen Kontrast zur Realitätserfahrung und gegen ungerechte Politik gerichteten Maßstab, der sich in der jüdischen Religionsgeschichte immer wieder Geltung verschaffte. Dies zieht sich bis zu Jesus von Nazaret, der das alte Gottesrecht des regelmäßigen "Erlassjahres" erneuerte (Lk 4,18-21) und Großgrundbesitzer zur Besitzaufgabe zu Gunsten der Armen einlud (Mk 10,21). In der urchristlichen Gemeinde wird das Gemeineigentum daher als Abbild des kommenden, alle Besitzverhältnisse umwälzenden Reiches Gottes beispielhaft vorweggenommen (Apg 4,44): :Alle, die gläubig geworden waren, waren beieinander und besaßen alle Dinge gemeinsam. Ähnliche Konzepte einer religiös begründeten Kommune, die nicht nur Armenfürsorge, sondern Gemeineigentum praktiziert, findet man auch im Hellenismus (z.B. bei Pythagoras), später - an jüdische Sozialgesetze angelehnt - im Islam sowie in manchen indianischen Stammesgesellschaften Nordamerikas. Hier wurde jedoch selten ein Umgestaltungsanspruch für die Gesamtheit damit verbunden. Friedrich Engels hat in seiner marxistischen Epochengliederung der Menschheitsgeschichte angenommen, dass ein Urkommunismus die generelle Lebensform protofamiliarer Stammesgemeinschaften war, bevor mit der Gattenfamilie das eigene Haus und Territorium in Abgrenzung von anderen üblich geworden sei (Über den Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 1884, MEW, Bd. 21). Damit hat er den Kommunismus als Erneuerung des "Urzustands" auf höherer Ebene postuliert, die erst von der hochindustrialisierten, arbeitsteiligen kapitalistischen Produktionsweise ermöglicht werde und die uralten Menschheitsträume realisiere.

Frühkommunistische Experimente im Mittelalter

Gesellschaftsveränderung in Richtung soziale Gerechtigkeit war im vom Christentum dominierten Mittelalter kaum möglich, wenn nicht ökonomische Bedingungen und die Berufung auf biblische Tradition zusammenkamen. Während die Großkirchen sich häufig eng an politische Herrschaftssysteme anlehnten und durch Amtsprivilegien mit diesen verflochten waren, knüpften verschiedene Minderheiten im Lauf der Kirchengeschichte Europas an das Ideal der Urgemeinde an. Manche Orden wie die Franziskaner praktizierten Gemeineigentum als freiwillige Armut in Klöstern in Distanz zur kirchlichen und sozialen Normalität, andere dagegen - etwa die Minoriten - wollten ursprünglich die Kirche insgesamt reformieren und damit die Mehrheitssituation tendenziell verändern. Vor, während und nach der Reformation tauchte die Idee des Gemeineigentums in verschiedenen Zusammenhängen wieder auf, etwa bei:
- Jan Hus